Mindestkapitalanforderungen und zusätzliche Kapitalpuffer

Durch die Einführung von CRR/CRD 4 ergeben sich neben neuen Mindestkernkapitalanforderungen für den Finanzsektor auch noch neue Anforderungen, die eine Bildung von Kapitalpuffern verlangen. Diese müssen ebenfalls mit Tier-1-Kernkapital gebildet werden und dienen dazu, den Finanzsektor in Stresszeiten zu stärken. Der „Phase-in“, die schrittweise Berücksichtigung von aufsichtsrechtlichen Anpassungen der Mindestanforderung für Tier-1-Kernkapital beginnt in 2014, während er für die Kapitalpuffer in 2016 beginnt.

In 2013, unter Berücksichtigung von Basel 2.5, belief sich die Mindestanforderung für Tier-1-Kernkapital auf 2 % der risikogewichteten Aktiva (RWA). Unter der neuen Regelung von CRR/CRD 4 hat sich diese Mindestanforderung in 2014 signifikant auf 4 % erhöht und von 2015 an beträgt sie 4,5 % Tier-1-Kernkapital der RWA, was das Ende der Einführungsphase der minimalen Kapitalanforderungen in Bezug auf Tier-1-Kernkapital darstellt. Um die vollständige Mindestkapitalanforderung von 8 % zu erfüllen, kann auf bis zu 1,5 % Zusätzliches Tier-1-Kapital und bis zu 2 % Tier-2-Kapital zurückgegriffen werden. Die Deutsche Bank liegt bereits zum Jahresende 2014 über diesen Mindestkapitalanforderungen.

Die Nichteinhaltung der Mindestkapitalanforderungen kann Verfügungen und weitere Maßnahmen seitens der BaFin und der EZB nach sich ziehen, wie beispielsweise Dividendenzahlungen oder andere Gewinnausschüttungen auf das aufsichtsrechtliche Eigenkapital zu reduzieren oder auszusetzen. Diese könnten erhebliche Auswirkungen auf unsere Geschäftsaktivitäten haben. Wir haben 2014 die aufsichtsrechtlichen Kapitaladäquanzvorschriften eingehalten. Unsere Tochterunternehmen, die eigene aufsichtsrechtliche Mindesteigenkapitalvorgaben erfüllen müssen und wegen ihrer Immaterialität nicht in unseren aufsichtsrechtlichen Konsolidierungskreis einbezogen wurden, wiesen in 2014 in einem Fall eine geringfügige Kapitalunterdeckung von 16 Tsd € auf.

Neben diesen Mindestkapitalanforderungen müssen noch die bereits oben erwähnten Kapitalpuffer gebildet werden, die den Finanzsektor zusätzlich stärken sollen. Hierzu gibt es die Möglichkeit, diese in Stresszeiten abzubauen, um Verluste zu kompensieren, gleichwohl sie nicht als Mindestkapitalanforderungen klassifiziert sind. Der folgende Abschnitt gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Kapitalpuffer.

Der Kapitalerhaltungspuffer ist konzipiert, um sicherzustellen, dass Institutionen Kapital außerhalb von Stresszeiten aufbauen, welches dazu dient, abgebaut zu werden, um Verluste in solchen Zeiten zu verringern und abzufedern. Die Höhe des Tier-1-Kernkapitals im Verhältnis zu den RWA für diesen Puffer beträgt 2,5 %. Der „Phase-in“ findet in Deutschland von 2016 bis 2019 in Schritten von 0,625 % statt. Als rechtliche Grundlage dient § 10c KWG, welcher die Umsetzung des Artikels 129 CRD 4 widerspiegelt. Dementsprechend ist der Kapitalerhaltungspuffer zum Jahresende 2014 noch nicht anzuwenden.

Der antizyklische Kapitalpuffer, eingeführt in § 10d KWG und §§ 33 bis 35 SolvV, basierend auf Artikel 135 bis 139 CRD 4, dient dem Zweck, ein exzessives Kreditwachstum in einer Volkswirtschaft zu vermeiden. Er wird angewendet, wenn exzessives Kreditwachstum zu einer Erhöhung des systemweiten Risikos in einer Volkswirtschaft führt. Er berechnet sich als gewichteter Durchschnitt der antizyklischen Kapitalpuffer jener Länder, in denen unsere relevanten kreditbezogenen Positionswerte getätigt wurden. Dieser Puffer kann zwischen 0 und 2,5 % Tier-1-Kernkapital der RWA variieren, in gegebenen Sonderfällen sogar höher, abhängig von den jeweiligen individuellen Anforderungen, die durch die unterschiedlichen nationalen Regulatoren festgelegt werden. Er wird auf Basis einer Übergangsregelung von 2016 bis 2019 eingeführt. Zum Jahresende 2014 war kein antizyklischer Kapitalpuffer relevant für die Deutsche Bank.

Der Puffer für global systemrelevante Institute (G-SII-Puffer), eingeführt durch § 10f KWG, basierend auf Artikel 131 (2), (4), (9) bis (18) CRD 4, befasst sich mit dem „too big too fail“-Problem, welches das höhere Risiko großer Finanzinstitute, das diese für die Volkswirtschaften im Falle eines Ausfalls aufgrund ihrer Größe, Wichtigkeit und Vernetzung darstellen, widerspiegelt. Um dem entgegenzutreten, werden Banken in Kategorien eingeteilt, die verschiedene Anforderungen an die Puffer widerspiegeln. Diese Gruppierung, welche auf einem System des Financial Stability Boards (FSB) basiert, wird aufgrund folgender Eigenschaften getroffen: Größe, Vernetzung im Finanzsektor, Ersetzbarkeit, Komplexität und globaler Aktivität. Der G-SII-Puffer hat zurzeit eine Bandbreite von 1 bis 2,5 % Tier-1-Kernkapital der RWA, abhängig von der oben erwähnten Systemrelevanz eines Instituts. Zusätzlich gibt es eine weitere, „leere“ Kategorie, welche eine Anforderung von 3,5 % reflektiert, mit dem Hintergrund, Institute davon abzuhalten, noch wichtiger für das System zu werden. Die Deutsche Bank ist momentan in der dritten Kategorie eingeordnet, basierend auf den Ergebnissen der Einordnung aus 2014, was zu einer Anforderung für diesen Puffer von 2 % Tier-1-Kernkapital der RWA führt. Mit der Einführung des Puffers für global systemrelevante Institute oder G-SII-Puffer ab 2016 wird die Deutsche Bank die betreffenden Eigenschaften, welche zur Einordnung geführt haben, auf ihrer Webseite veröffentlichen.

Eine weitere bevorstehende Anforderung, um dem „too big too fail“-Problem entgegenzutreten, ist die „Total Loss-Absorbing Capacity“ (TLAC), welche sich zurzeit noch im Abstimmungsprozess befindet. Das Ziel ist es, das Vorhandensein von adäquaten finanziellen Mitteln sicherzustellen, die im Falle einer Auflösung eines Instituts dazu dienen zu verhindern, dass der Steuerzahler belastet wird. Eine Einführung ist zurzeit für 2019 geplant. Die Deutsche Bank beobachtet die Entwicklung der TLAC kontinuierlich, um auf etwaige Anforderungen zeitnah reagieren zu können.

Zusätzlich zu den durch Basel eingeführten Kapitalpuffern können nationale Regulatoren einen systemischen Risikopuffer verlangen, um langanhaltendem nicht zyklischen systemischen und makroprudenziellen Risiko vorzubeugen und zu entschärfen. Sie können bis zu 5 % Tier-1-Kernkapital der RWA als Anforderung verlangen. Es ist zu beachten, dass normalerweise nur die höhere Anforderung dieses Puffers und des G-SII-Puffers umgesetzt werden muss. Zum Jahresende 2014 war dieser Puffer nicht relevant für die Deutsche Bank.

Die folgende Grafik präsentiert die Mindestkapitalanforderungen und Kapitalpuffer, welche nach CRR/CRD 4 für die Deutsche Bank relevant sind. Sie zeigt sowohl die für 2014 geltenden Regelungen als auch die ab 2015 geltenden. Die Tabelle zeigt die höchstmöglichen Anforderungen, die laut aktuellem Stand der CRD 4 und Umsetzung in deutsches Gesetz gelten, vor zusätzlichen Anforderungen als Folge des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process, SREP). Gemäß SREP kann die EZB einzelnen Banken Eigenkapitalanforderungen auferlegen, die strenger als die gesetzlichen Anforderungen sind. Am 20. Februar 2015 hat die EZB uns mitgeteilt, dass wir verpflichtet sind, eine Tier-1- Kernkapitalquote von mindestens 10 % (basierend auf den Übergangsregelungen) zu jeder Zeit aufrecht zu erhalten.

Übersicht Mindestkapitalanforderungen und Kapitalpuffer
Übersicht Mindestkapitalanforderungen und Kapitalpuffer (Balkendiagramm)

Behandlung von Jahresendgewinnen für die Solvabilitätsmeldung

Am 11. Februar 2015 haben wir die Solvabilitätsmeldung des Deutsche Bank-Konzerns zum 31. Dezember 2014 an die Aufsichtsbehörden im Einklang mit der Entscheidung (EU) (2015/4) der EZB vom 4. Februar 2015 eingereicht. Diese Entscheidung legt fest, unter welchen Bedingungen Kreditinstitute Zwischengewinne und Jahresendgewinne zum Tier-1-Kernkapital in Übereinstimmung mit Artikel 26 (2) CRR rechnen dürfen. Gemäß dieser Entscheidung haben wir zu diesem Zeitpunkt die Jahresendgewinne nicht zu unserem Tier-1-Kernkapital gerechnet, was zu folgenden Kapitalzahlen, RWA und Kapitalquoten geführt hat.

Zusammenfassung des aufsichtsrechtlichen Eigenkapitals, der RWA und Kapitalquoten gemäß CRR/CRD 4 ohne Jahresendgewinne und Basel 2.5 (testiert)

 

31.12.2014

31.12.2013

in Mio €

CRR/CRD 4-Vollumsetzung

CRR/CRD 4

Basel 2.5

Tier-1-Kernkapital vor aufsichtsrechtlichen Anpassungen

65.270

65.694

53.558

Gesamte aufsichtsrechtliche Anpassungen des Tier-1-Kernkapitals

–19.759

–6.086

–15.024

Tier-1-Kernkapital

45.511

59.608

38.534

Zusätzliches Tier-1-Kapital vor aufsichtsrechtlichen Anpassungen

4.676

14.696

12.701

Gesamte aufsichtsrechtliche Anpassungen des zusätzlichen Tier-1-Kapitals (AT1)

–57

–10.907

–519

Zusätzliches Tier-1-Kapital

4.619

3.789

12.182

Tier-1-Kapital

50.129

63.397

50.717

Tier-2-Kapital vor aufsichtsrechtlichen Anpassungen

12.412

4.913

7.787

Gesamte aufsichtsrechtliche Anpassungen des Tier-2-Kapitals (T2)

–36

–523

–3.040

Tier-2-Kapital

12.376

4.390

4.747

Aufsichtsrechtliches Eigenkapital insgesamt

62.506

67.787

55.464

Risikogewichtete Aktiva insgesamt

393.757

396.468

300.369

 

 

 

 

Kapitalquoten

 

 

 

Tier-1-Kernkapital (als prozentualer Anteil der risikogewichteten Aktiva)

11,6

15,0

12,8

Tier-1-Kapital (als prozentualer Anteil der risikogewichteten Aktiva)

12,7

16,0

16,9

Aufsichtsrechtliches Eigenkapital (als prozentualer Anteil der risikogewichteten Aktiva)

15,9

17,1

18,5

Die Entscheidung (EU) (2015/4) der EZB ermöglicht die Anrechnung von Jahresendgewinnen im Tier-1-Kernkapital nach Abzug der Dividende, soweit diese offiziell vorgeschlagen oder vom Leitungsorgan beschlossen wurde.

Die Berechnungen von aufsichtsrechtlichem Eigenkapital und Kapitalquoten, die in diesem Bericht dargestellt sind, berücksichtigen die Jahresendgewinne nach Abzug einer Dividendenzahlung von 0,75 € je Aktie gemäß dem Vorschlag des Vorstands an den Aufsichtsrat und die Hauptversammlung.


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