Stresstests und Szenarioanalysen

Wir verwenden Stresstests und Szenarioanalysen, um den Einfluss von plötzlich auftretenden und schwer wiegenden Stressereignissen auf unsere Liquiditätsposition zu untersuchen. Die Szenarien, die wir anwenden, beruhen auf historischen Ereignissen wie dem Börsencrash des Jahres 1987, dem US-amerikanischen Liquiditätsengpass von 1990 und den Terrorangriffen des 11. September 2001, auf Fallstudien von Liquiditätskrisen und auf hypothetischen Modellen sowie den Erfahrungen aus der letzten Finanzmarktkrise.

Sie beinhalten eine länger anhaltende Dysfunktionalität des Geldmarkts und ein Einfrieren der besichterten Refinanzierungsmärkte, die Ablehnung von Sicherheiten, eine eingeschränkte Fungibilität von Währungen, nicht absetzbare Syndizierungen und sonstige systemische Nebenwirkungseffekte. Die Szenario-Typen umfassen institutsspezifische Ereignisse (zum Beispiel Bonitätsherabsetzung), marktbedingte Ereignisse (zum Beispiel systemisches Marktrisikoszenario) sowie die Kombination beider Ereignisse, welches ein systemisches Marktrisikoszenario in Kombination mit einer mehrstufigen Bonitätsherabsetzung verknüpft. Wir wenden diese Stressszenarien auf eine Auswahl von Währungen und Gesellschaften an. Als ein Ergebnis der Herabstufungen der Bonität der Bank, wurde das strengste spezifische Szenario (vorher „A-2/P-2“) angepasst. Dieses Szenario heißt nun „Starke Verschlechterung der Bonitätseinstufung“ und beschreibt eine Herabstufung der Bank zu einem längerfristigen Rating-Niveau von BBB/Baa2 und einem kurzfristigen Rating von A-3/P-3 bei allen Hauptratingagenturen.

Bei jedem dieser Szenarien wird angenommen, dass ein hoher Anteil der fällig werdenden Forderungen an Nicht-Wholesale-Kunden prolongiert werden muss (um den Franchise-Wert zu unterstützen), wohingegen die Prolongation der Verbindlichkeiten teilweise oder ganz eingeschränkt ist und daraus eine Finanzierungslücke resultiert. In diesem Zusammenhang wird angenommen, dass die Wholesale-Refinanzierung von den risikosensitivsten Quellen (inklusive der unbesicherten Finanzierung von Geschäftsbanken, Geldmarktfonds sowie forderungsgedeckten Geldmarktpapieren) in der akuten Stressphase komplett vertraglich ausläuft. Darüber hinaus analysieren wir den potenziellen Refinanzierungsbedarf bedingter Risiken, die unter Stress entstehen können. Diese beinhalten die Inanspruchnahme von Krediten, erhöhte Sicherheitsanforderungen aus derivativen Verträgen sowie Mittelabflüsse aus Festgeldern mit einem vertraglichen Rating-Trigger. Danach werden die notwendigen Schritte bestimmt, um der entstehenden Finanzierungslücke entgegenzuwirken. Die Gegenmaßnahmen beinhalten unsere verfügbaren Liquiditätsreserven sowie potenzielle Liquidität aus weiteren unbelasteten Wertpapierbeständen. Stresstests werden auf globaler Ebene und individueller Ebene der juristischen Einheiten sowie über signifikante Währungen außerhalb der Eurozone hinweg durchgeführt, insbesondere über US-Dollar als unsere größte Nicht-Euro-Refinanzierungswährung. Wir überprüfen wesentliche Stresstestannahmen regelmäßig und haben den Schärfegrad einiger Stressannahmen im Laufe des Jahres 2014 erhöht.

Die Stresstests sind vollständig in unser Liquiditätsrisikomanagement-Konzept integriert. Zu diesem Zweck nutzen wir die vertraglich vereinbarten Wholesale-Zahlungsströme pro Währung und Produkt über einen achtwöchigen Zeitraum (welchen wir als die kritischste Zeitspanne in einer Liquiditätskrise einschätzen) und wenden den jeweiligen Stressfall auf alle potenziellen Treiber der Risiken aus bilanziellen und außerbilanziellen Produkten an. Über den achtwöchigen Zeitraum hinaus analysieren wir auf monatlicher Basis die Auswirkungen einer erweiterten Stressperiode, die bis zu zwölf Monate andauert. Die Stresstests des Liquiditätsrisikos liefern die Basis für unseren vom Vorstand genehmigten Notfallrefinanzierungsplan.

Unsere Stresstestanalyse zeigt, ob wir in kritischen Situationen genügend Liquidität generieren können, und ist eine wichtige Grundlage bei der Definition unserer angestrebten Liquiditätsrisikoposition. Wir führen die Stresstestanalyse täglich durch. Die folgende Tabelle zeigt, dass wir bei jedem unserer definierten und regelmäßig überprüften Szenarien weiterhin über eine positive Nettoliquiditätsposition verfügen würden. Grund hierfür ist, dass die Liquidität, die wir zur Schließung der Lücke über verschiedene Finanzierungsquellen aufbringen könnten, unsere kumulative Finanzierungslücke über einen achtwöchigen Zeitraum nach Eintritt des auslösenden Ereignisses mehr als ausgleicht.

Weltweite monatliche Stresstestergebnisse über alle Währungen

 

31.12.2014

31.12.20131

in Mrd €

Finanzierungs-
lücke2

Positions-
schließung3

Netto- Liquiditäts-
position

Finanzierungs-
lücke2

Positions-
schließung3

Netto- Liquiditäts-
position

1

Zahlen von 2013 basieren auf den damals gültigen Methoden und wurden nicht angepasst um Änderungenn der Stresstestannahmen, die unterjährig geändert wurden, zu reflektieren.

2

Finanzierungslücke verursacht durch eingeschränkte Prolongation der Verbindlichkeiten und weitere erwartete Abflüsse.

3

Liquiditätsgenerierung auf Basis der Liquiditätsreserve (nach Sicherheitenabschlägen) und durch andere Gegensteuerungsmaßnahmen.

4

Kombinierter Effekt aus systemischen Marktrisiken und starker Verschlechterung der Bonitätseinstufung.

Systemisches Marktrisiko

49

183

134

31

179

148

Emerging Markets

9

185

176

10

195

185

Verschlechterung der Bonitätseinstufung um eine Stufe (Deutsche Bank-spezifisch)

42

166

124

37

178

141

Starke Verschlechterung der Bonitätseinstufung (Deutsche Bank-spezifisch)

163

202

38

170

208

37

Kombiniert4

190

214

24

181

204

23

Weltweite monatliche US-Dollar Stresstest-Ergebnisse

 

31.12.2014

31.12.20131

in Mrd €

Finanzierungs-
lücke2

Positions-
schließung3

Netto- Liquiditäts-
position

Finanzierungs-
lücke2

Positions-
schließung3

Netto- Liquiditäts-
position

1

Zahlen von 2013 basieren auf den damals gültigen Methoden und wurden nicht angepasst um Änderungenn der Stresstestannahmen, die unterjährig geändert wurden, zu reflektieren.

2

Finanzierungslücke verursacht durch eingeschränkte Prolongation der Verbindlichkeiten und weitere erwartete Abflüsse.

3

Liquiditätsgenerierung auf Basis der Liquiditätsreserve (nach Sicherheitenabschlägen) und durch andere Gegensteuerungsmaßnahmen.

4

Kombinierter Effekt aus systemischen Marktrisiken und starkerVerschlechterung der Bonitätseinstufung.

Kombiniert4

92

149

56

89

132

43

Die untere Tabelle zeigt die zusätzlichen Sicherheiten in allen Währungen, die im Falle einer Herabstufung unserer langfristigen Bonitätseinstufung um eine oder zwei Stufen durch Ratingagenturen benötigt werden.

Zusätzliche vertragliche Verpflichtungen

 

31.12.2014

31.12.2013

in Mio €

Einstufige Verschlechterung der Bonität

Zweistufige Verschlechterung der Bonität

Einstufige Verschlechterung der Bonität

Zweistufige Verschlechterung der Bonität

Vertragliche derivative Abflüsse und Nachschussforderungen

6.806

7.893

5.459

9.071

Andere vertragliche Abflüsse und Nachschussforderungen

529

689

0

502

Angesichts der wachsenden Bedeutung des Liquiditätsmanagements im Finanzsektor diskutieren wir liquiditätsrisikobezogene Themen aktiv mit Zentralbanken, Aufsichtsbehörden, Ratingagenturen und Marktteilnehmern. Wir sind in einer Reihe von Liquiditätsarbeitsgruppen engagiert und beteiligen uns an Initiativen zur Schaffung eines Branchenstandards zur angemessenen Bewertung und Steuerung des Liquiditätsrisikos bei Finanzdienstleistern. Neben der internen Liquiditätssteuerung unterliegt die Liquidität deutscher Banken den Bestimmungen des Kreditwesengesetzes, der CRR, dem einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism) und damit zusammenhängenden Bestimmungen.