Risikoinventur

Durch unsere Geschäftsaktivitäten sind wir einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt, die im Folgenden näher beschrieben werden. Kredit-, Markt- und operationelles Risiko erfordern aufsichtsrechtliches Eigenkapital. Im Rahmen unseres Prozesses zur Bewertung der internen Kapitaladäquanz berechnen wir das Ökonomische Kapital von Kredit-, Markt-, Geschäfts- und operationellen Risiken, das benötigt wird, um die aus unseren Geschäftsaktivitäten resultierenden Risiken abzudecken, wobei Diversifikationseffekte zwischen diesen Risikotypen berücksichtigt werden. Darüber hinaus berücksichtigt unser Ökonomisches Kapitalrahmenwerk implizit weitere Risiken, wie zum Beispiel Reputationsrisiken und Refinanzierungsrisiken, für die keine eigenständigen Modelle zur Ermittlung eines Ökonomischen Kapitals aufgebaut wurden. Das Liquiditätsrisiko wird bei der Berechnung des Ökonomischen Kapitals nicht berücksichtigt, da es separat abgedeckt wird. Die Risikoinventur wird regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, und bei Bedarf auch öfter aktualisiert, indem der Risikoidentifizierungs- und Risikobewertungsprozess gemäß MaRisk durchgeführt wird. In 2014 wurden das Reputationsrisiko, das Modellrisiko und das Compliance-Risiko (MaRisk) neu als materiell eingestuft.

Kreditrisiko

Das Kreditrisiko entsteht bei Transaktionen, aus denen sich tatsächliche, eventuelle oder künftige Ansprüche gegenüber einem Geschäftspartner, Kreditnehmer oder Schuldner (im Folgenden einheitlich „Geschäftspartner“ genannt) ergeben, einschließlich Forderungen, die zum Weiterverkauf vorgesehen sind (siehe weiter unten im detaillierteren Abschnitt zum Kreditrisiko). Diese Transaktionen gehören in der Regel zu unserem traditionellen nicht handelsbezogenen Kreditgeschäft (wie Kredite und Eventualverbindlichkeiten) oder unseren direkten Handelsaktivitäten mit Kunden (wie außerbörslich gehandelte Derivate, Devisentermingeschäfte und Zinstermingeschäfte). Die Bilanzwerte unserer Beteiligungspositionen werden ebenfalls in den Kapiteln über das Kreditrisiko dargestellt. Wir steuern die jeweiligen Positionen innerhalb unserer Marktrisiko- und Kreditrisikorahmenwerke.

Wir unterscheiden drei Arten von Kreditrisiken:

  • Das Ausfallrisiko (Kontrahentenrisiko), das wichtigste Element des Kreditrisikos, ist das Risiko, dass Geschäftspartner vertragliche Zahlungsverpflichtungen in Bezug auf die zuvor beschriebenen Ansprüche nicht erfüllen.
  • Das Abwicklungsrisiko ist das Risiko, dass die Abwicklung oder Verrechnung von Transaktionen scheitert. Es entsteht immer dann, wenn liquide Mittel, Wertpapiere und/oder andere Werte nicht zeitgleich ausgetauscht werden, was uns einem potenziellen Verlust aussetzt, falls der Kontrahent ausfallen sollte.
  • Das Länderrisiko ist das Risiko, dass uns ein unerwartetes Ausfall- oder Abwicklungsrisiko mit entsprechendem Verlust in einem Land entsteht, auf Basis einer Reihe von makroökonomischen oder sozialen Geschehnissen, die in erster Linie die Kontrahenten in dieser Gerichtsbarkeit beeinträchtigen. Dazu gehören eine Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen, politische und soziale Unruhen, die Verstaatlichung und Enteignung von Vermögenswerten, die staatliche Nichtanerkennung von Auslandsschulden oder die extreme Ab- oder Entwertung der Landeswährung. Das Länderrisiko beinhaltet auch das Transferrisiko. Dieses entsteht, wenn Schuldner aufgrund direkter staatlicher Interventionen nicht in der Lage sind, Vermögenswerte zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen an Nichtgebietsansässige zu übertragen.

Marktrisiko

Das Marktrisiko entsteht durch die Unsicherheit hinsichtlich der Änderungen von Marktpreisen und Kursen (einschließlich Zinsen, Aktienkursen, Wechselkursen und Rohstoffpreisen), der Korrelationen zwischen ihnen und ihrer unterschiedlichen Volatilität. Wir unterscheiden zwischen drei verschiedenen Arten von Marktrisiken:

  • Das Marktrisiko aus Handelsaktivitäten entsteht in erster Linie durch Marktpflegeaktivitäten im Unternehmensbereich CB&S. Dazu gehört das Eingehen von Positionen in Schuldtiteln, Aktien, Fremdwährungen, sonstigen Wertpapieren und Rohstoffen sowie in entsprechenden Derivaten.
  • Das handelsbezogene Ausfallrisiko entsteht infolge von Ausfällen sowie Bonitätsveränderungen bezogen auf gehandelte Produkte.
  • Das Marktrisiko aus Nichthandelsaktivitäten resultiert aus Marktbewegungen, in erster Linie außerhalb der Aktivitäten unserer Handelsbereiche, in unserem Anlagebuch und aus außerbilanziellen Positionen. Dieses schließt Zinsrisiken, Credit-Spread-Risiken, Investitionsrisiken und Fremdwährungsrisiken ein sowie Marktrisiken, die aus unseren Pensionsverpflichtungen, Garantiefonds und aktienbasierten Vergütungen resultieren. Das Marktrisiko aus Nichthandelsaktivitäten beinhaltet auch Risiken aus der Modellierung von Kundendepots sowie Spar- und Kreditprodukten.

Operationelles Risiko

Operationelles Risiko ist die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren und Systemen, Menschen oder infolge externer Ereignisse eintreten. Diese Definition schließt Rechtsrisiken ein. Das operationelle Risiko umfasst keine Geschäfts- und Reputationsrisiken.

Liquiditätsrisiko

Das Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass wir möglicherweise nicht oder nur zu überhöhten Kosten in der Lage sind, unsere Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit zu erfüllen.

Allgemeines Geschäftsrisiko

Das allgemeine Geschäftsrisiko bezeichnet das Risiko, das aufgrund möglicher Veränderungen der allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsteht. Dazu gehören beispielsweise das Marktumfeld, das Kundenverhalten und der technische Fortschritt. Stellen wir uns nicht rechtzeitig auf veränderte Bedingungen ein, können diese unsere Geschäftsergebnisse beeinträchtigen. Das allgemeine Geschäftsrisiko setzt sich aus dem Strategischen Risiko, dem Steuerrisiko und dem Refinanzierungsrisiko zusammen, wobei nur das strategische Risiko als materiell eingestuft wurde.

Reputationsrisiko

Für unsere Risikomanagementprozesse definieren wir das Reputationsrisiko als die Gefahr, dass die öffentliche Berichterstattung über eine Transaktion, einen Geschäftspartner oder eine Geschäftspraxis, an der ein Kunde beteiligt ist, das öffentliche Vertrauen in unser Unternehmen negativ beeinflusst.

Modellrisiko

Modellrisiko ist das Risiko möglicher nachteiliger Folgen von Entscheidungen, die auf der Grundlage von unangemessenen, falschen oder falsch verwendeten Modellen getroffen werden. In diesem Zusammenhang ist ein Modell definiert als eine quantitative Methode, ein System, oder ein Ansatz in Verbindung mit statistischen, wirtschaftlichen, finanziellen oder mathematischen Theorien, Techniken und Annahmen zur Verarbeitung von Daten, die in quantitative Schätzungen einfließen sollen.

Compliance-Risiko

Das Compliance-Risiko gemäß MaRisk wird definiert als das aktuelle oder potenzielle Risiko für Erträge und Kapital infolge von Verstößen gegen Gesetze, Regelungen, Vorschriften, Vereinbarungen, vorgeschriebene Praktiken oder ethische Standards beziehungsweise infolge von deren Nichteinhaltung. Dadurch kann es zu Geldstrafen, Schäden und/oder der Annullierung von Verträgen sowie zur Schädigung des Rufs eines Unternehmens kommen.

Versicherungsrisiko

Unser Versicherungsrisiko entsteht durch die Abbey Life Assurance Company Limited sowie unseren Verpflichtungen aus der leistungsorientierten Versorgungszusage. Es gibt auch ein versicherungsbezogenes Risiko innerhalb des Pensions & Insurance Risk Markets-Geschäfts. Im Rahmen unseres Risikomanagements betrachten wir versicherungsbezogene Risiken in erster Linie als Marktrisiken aus Nichthandelsaktivitäten, welche als materiell eingestuft wurden. Wir überwachen die Annahmen, die der Berechnung dieses Risikos zugrunde liegen, regelmäßig und treffen gegebenenfalls risikomindernde Maßnahmen wie Rückversicherungen. Wir sind insbesondere folgenden versicherungsbezogenen Risiken ausgesetzt:

  • Langlebigkeitsrisiko – Das Risiko, dass die Lebenserwartung schneller oder langsamer steigt als angenommen und sich sowohl auf gegenwärtige als auch auf zukünftige Rentenzahlungen auswirkt.
  • Sterblichkeits- und Invaliditätsrisiken – Das Risiko, dass die Anzahl der Versicherungsansprüche infolge von Todesfällen oder Berufsunfähigkeit höher oder niedriger als erwartet ist und ein oder mehrere umfangreiche Ansprüche geltend gemacht werden.
  • Kostenrisiko – Das Risiko, dass die Verwaltung von Versicherungsverträgen höhere oder niedrigere Kosten verursacht als erwartet.
  • Bestandsrisiko – Das Risiko, dass der Prozentsatz der stornierten Verträge höher oder niedriger als erwartet ist.

Sofern die Erfahrungen ungünstiger als die zugrunde gelegten Annahmen sind oder aufgrund verschlechterter Annahmen mehr Rückstellungen erforderlich sind, kann dies zur Erhöhung des benötigten Kapitals der Versicherungsgesellschaften führen.

Risikokonzentrationen

Risikokonzentrationen beschreiben eine Häufung gleicher oder ähnlicher Risikotreiber innerhalb spezifischer Risikoarten (d.h. Intra-Risikokonzentrationen in Kredit-, Markt-, Liquiditäts- und operationellen Risiken) sowie unterschiedliche Risikoarten (Inter-Risikokonzentrationen). Diese können innerhalb von Kontrahenten, Geschäftsbereichen, Regionen/Ländern, Branchen und Produkten sowie darüber hinaus auftreten. Das Management von Risikokonzentrationen ist Bestandteil der Steuerung einzelner Risikoarten und wird regelmäßig überwacht. Das Hauptziel des Managements von Risikokonzentrationen besteht darin, übermäßige Konzentrationen in unserem Portfolio zu vermeiden, was durch einen quantitativen und qualitativen Ansatz erreicht und im Folgenden dargestellt wird:

  • Intra-Risikokonzentrationen werden durch die jeweiligen Risiko-Disziplinen (Kredit-, Markt-, operationelles Risikomanagement und andere Risiko-Disziplinen) beurteilt, überwacht und gemindert. Dies wird durch die Festlegung von Limiten auf verschiedenen Ebenen entsprechend der Risikoart unterstützt.
  • Inter-Risikokonzentrationen werden über quantitative deduktive Belastungstests und qualitative induktive Bewertungen gesteuert, mit denen Risikothemen unabhängig von der Risikoart ermittelt und bewertet werden. Dies ermöglicht eine ganzheitliche Sicht auf die Bank.

Das Portfolio Risk Committee (PRC), ein Unterausschuss des Capital and Risk Committee (CaR) und des Risk Executive Committee (Risiko ExCo), war im Gesamtjahr 2014 das höchste Gremium für die Überwachung der Konzentrationsrisiken.

Diversifikationseffekt aus verschiedenen Risikoarten

Bei diesem Ansatz werden bei der Ermittlung des Ökonomischen Kapitals die Diversifizierungseffekte zwischen Kredit-, Markt-, operationellen und strategische Risiken quantifiziert. Bis zu dem Maße, dass Korrelationen zwischen diesen Risikoarten unter den Wert 1,0 fallen, resultiert ein positiver Diversifikationseffekt. Mit der Berechnung der Effekte der Diversifizierung nach Risikoarten wird sichergestellt, dass die Werte des Ökonomischen Kapitals der einzelnen Risikoarten auf ökonomisch sinnvolle Weise aggregiert werden.