Die Bankenbranche

Für die Bankenbranche war das Jahr 2014 insgesamt von moderaten Fortschritten geprägt, bei einem gleichzeitig anhaltenden starken Gegensatz zwischen Europa und den USA.

In Europa begann das Kreditgeschäft mit Privatkunden im Jahresverlauf wieder leicht zu wachsen, während sich der Rückgang der Volumina bei Unternehmen graduell verlangsamte. Insgesamt stand für den Privatsektor jedoch ein moderates Minus zu Buche. Auf der Einlagenseite verlief die Entwicklung angesichts der immer gravierenderen Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds und weiterer Leitzinssenkungen bemerkenswert stetig, hier gab es konstant hohe bzw. immer noch solide Zuwächse bei den Einlagen von Unternehmen bzw. Privatpersonen. In Deutschland legte das Kreditvolumen sowohl mit Unternehmen als auch mit Haushalten im Jahresverlauf etwas zu und schnitt damit erneut besser ab als im Euroraum insgesamt. Bei der Refinanzierung über den Kapitalmarkt waren die Banken in Europa in 2014 deutlich aktiver als in den äußerst schwachen Vorjahren, auch wenn der Durchschnitt des letzten Jahrzehnts noch nicht wieder erreicht wurde. Gleichzeitig hielt sich die Nachfrage nach den von der EZB gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (Targeted Long-Term Refinancing Operations, TLTRO) in Grenzen. Die Bilanzsumme der Banken im Euroraum stieg erstmals seit 2011 wieder moderat an, um rund 2,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Im Kreditgeschäft in den USA verstärkte sich im Jahr 2014 der Kontrast zwischen einem mit zweistelligen Raten expandierenden Volumen der Unternehmenskredite und einem nur schwach wachsenden Privatkundengeschäft. Bei Letzterem verzeichneten Konsumentenkredite immerhin einen soliden Anstieg, Immobilienkredite dagegen ein minimales Minus. Das verglichen mit dem Vorjahr ebenfalls – deutlich – rückläufige Hypothekenverbriefungsvolumen unterstreicht, dass die jüngsten Immobilienpreissteigerungen in den USA im Wesentlichen nicht kreditgetrieben sind. Das Einlagenvolumen der Banken nahm weiter kräftig zu, auch wenn das Wachstum zum Jahresende hin plötzlich abbremste.

Das weltweite Investmentbanking verzeichnete in 2014 ein relativ solides Ergebnis, nicht zuletzt dank deutlich höherer Emissionsvolumina bei Aktien und etwas höherer Emissionsvolumina auf der Fremdkapitalseite; im Bereich Fusionen und Übernahmen liefen die Geschäfte sogar hervorragend, sowohl bei Eigenkapitalemissionen als auch bei M&A wurde damit der beste Wert seit dem Boomjahr 2007 erreicht. Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren schrumpfte in 2014, positiv entwickelte sich dagegen der Aktienhandel. Die Erträge aus Beratung und Emission legten auf breiter Front zu, mit Ausnahme des Konsortialkreditgeschäfts, welches ein leichtes Minus hinnehmen musste. Regional stiegen die Einnahmen in 2014 in Asien und Europa besonders deutlich, allerdings von einer relativ schwachen Ausgangsbasis aus.

Die globale Vermögensverwaltung profitierte weiterhin vom Wachstum der verfügbaren Mittel der vermögenderen Kunden in allen wichtigen Regionen. Dazu trugen hohe Wertsteigerungen sowohl an den Aktien- als auch den Anleihemärkten maßgeblich bei. Die Rendite etwa der 10-jährigen deutschen Bundesanleihen fiel im Jahresverlauf drastisch von knapp 2 % auf 0,5 % zurück und markierte dabei zahlreiche neue Allzeittiefs. Umgekehrt kletterten wichtige Aktienindizes in Nordamerika ebenso wie in Europa auf neue Rekordhochs. Positiv auf das Geschäft dürfte sich vor allem in der zweiten Jahreshälfte auch die insgesamt höhere Marktvolatilität ausgewirkt haben, mit beträchtlichen Bewegungen der Rohstoffpreise (insbesondere Öl) und Wechselkurse.

Mit Blick auf Veränderungen in der Bankenregulierung und Finanzaufsicht lag der Schwerpunkt im Jahr 2014 in Europa auf den Vorbereitungen für den Ende des Jahres erfolgten Start der Bankenunion, zunächst aber der gemeinsamen Bankenaufsicht unter Führung der EZB. Die größten Banken Europas wurden zuvor einer umfassenden Bilanzprüfung und einem Stresstest unterzogen, der die Transparenz und grenzüberschreitende Vergleichbarkeit von Bankdaten verbesserte. Außerdem wurde das neue Regelwerk für die zukünftige Restrukturierung und Abwicklung gescheiterter Banken beschlossen, in welchem unter anderem das Prinzip der Gläubigerbeteiligung eine wichtige Rolle einnimmt. In den USA stand unter anderem das Thema einer Erhöhung der Kapitalanforderungen erneut auf der Tagesordnung, das zudem in eine globale Diskussion über das gesamte verlustabsorptionsfähige Kapital (Total Loss-Absorbing Capacity, TLAC) einfloss. Banken auf beiden Seiten des Atlantiks waren zudem weiterhin von einer Vielzahl an Rechtsstreitigkeiten betroffen, deren Beilegung teilweise erhebliche finanzielle Lasten mit sich brachte.

Unter dem Strich waren die US-amerikanischen Institute dennoch wieder sehr profitabel, mit Nettogewinnen auf Höhe der historischen Rekordstände, dank einer stabilen Entwicklung im operativen Geschäft und einer nochmals leicht sinkenden Kreditrisikovorsorge. In Europa hingegen blieb die Profitabilität der Banken angesichts stagnierender Erträge und wieder steigender Ausgabenniveaus unbefriedigend, trotz eines Rückgangs der Risikokosten.


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