Die Weltwirtschaft

Für 2014 erwarten wir, dass das Wachstum der Weltwirtschaft mit 3,4 % weiter relativ schwach geblieben sein dürfte, was der Wachstumsrate des Vorjahres entsprach. Die wirtschaftliche Entwicklung hatte im ersten Quartal 2014 mit 3,6 % gegenüber dem Vorjahr ihren Höhepunkt erreicht und schwächte sich im weiteren Jahresverlauf auf 3,3 % ab.

Während sich im Jahresdurchschnitt 2014 das Wachstum in den Industrieländern beschleunigt haben dürfte, schwächte es sich in den Schwellenländern ab. Die Wirtschaftsleistung dürfte in den Industrieländern um 1,2 % im Jahr 2013 und um 1,7 % im Jahr 2014 zugelegt haben. Weiter dämpfte der Abbau der privaten Verschuldung das Wachstum insbesondere in der Eurozone. Die Geldpolitik der großen Zentralbanken war weiter extrem expansiv ausgerichtet und stützte die Weltkonjunktur. Die Leitzinsen lagen im Jahr 2014 weiter auf historisch niedrigen Niveaus und zudem lieferten umfangreiche quantitative Lockerungen zusätzliche Impulse.

Die Eurozone setzte ihren Mitte des Jahres 2013 begonnenen moderaten Erholungskurs im Jahr 2014 fort. Im Jahresdurchschnitt 2014 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 %, nach einem Rückgang um 0,4 % im Jahr 2013. Der Konsum dürfte der Hauptwachstumstreiber gewesen sein. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft beschleunigte sich von 0,1 % im Jahr 2013 auf 1,6 % im Jahr 2014. Nach Stagnation über den Sommer hinweg beschleunigte sich das Wachstum im vierten Quartal wieder deutlich. Gestützt wird die deutsche Konjunktur durch die solide Entwicklung des Konsums. Dieser profitiert vom Beschäftigungsrekord und solider realer Einkommenszuwächse. Im Verlauf des Jahres 2014 entschied sich die Europäischen Zentralbank (EZB) aus Sorge vor einer negativen Rückkopplungsschleife aus abgeschwächter Inflation, einer Entkopplung der Inflationserwartungen und eine schwachen Bankensystem, das das Kreditangebot einschränkt, ihre Politik noch expansiver auszurichten. Sie senkte den Leitzins im Jahresverlauf auf 0,05 %, stellte den Banken mit den gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) Liquidität zur Verfügung und startete gegen Jahresende ein Kaufprogramm für Covered Bonds und ABS-Papiere.

Das Wachstum der US-Wirtschaft beschleunigte sich im Jahr 2014 trotz des wetterbedingten Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal leicht von 2,2 % im Jahr 2013 auf 2,4 % im Jahr 2014. Zurück ging dies auf die kontinuierliche Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt, den Fracking-Boom sowie positive Vermögenseffekte durch die fortgesetzte Belebung auf dem Immobilienmarkt und den kräftigen Kursanstiegen an den Aktienmärkten. Unterstützend wirkte dabei die expansiv ausgerichtete Geldpolitik der Federal Reserve. In Folge der soliden Konjunkturentwicklung reduzierte die Fed ihre Assetkäufe im Jahresverlauf immer weiter und beendete sie im Oktober.

In Japan schwächte sich das Wachstum von 1,6 % im Jahr 2013 auf nur noch Stagnation im Jahr 2014 ab. Dafür verantwortlich war maßgeblich die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 5 % auf 8 % im April 2014. Die äußerst expansiv ausgerichtete Fiskal- und Geldpolitik, die ersten beiden Pfeiler der sogenannten „Abenomics“, unterstützen weiter die japanische Konjunktur. Für den dritten Pfeiler der „Abenomics“, die tiefgreifenden Strukturreformen, steht die Implementierung noch weitgehend aus.

Das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern dürfte sich von 5,0 % im Jahr 2013 auf 4,6 % im Jahr 2014 verlangsamt haben. Dies geht zum einen auf eine relativ schwache externe Nachfrage zurück und zum anderen auf Angebotsbeschränkungen wie beispielsweise ein langsameres Wachstum des Arbeitsangebots und des Kapitalstocks. Das Wachstum schwächte sich in allen Regionen ab, wobei die Verlangsamung in Lateinamerika am stärksten ausgefallen sein dürfte.

Das Wachstum in Asien (ohne Japan) dürfte sich von 6,6 % im Jahr 2013 auf 6,5 % im Jahr 2014 leicht abgeschwächt haben. Insbesondere durch die Abschwächung auf dem Immobilienmarkt expandierte Chinas Wirtschaft nach 7,7 % im Jahr 2013 nur noch um 7,4 % im Jahr 2014. In Indien dürfte die Wirtschaft dank investorenfreundlicher Reformen der neuen Regierung unter Ministerpräsident Modi mit 7,2 % stärker als im Vorjahr mit 6,9 % gewachsen sein.

In den Schwellenländern Osteuropas, des Nahen Ostens und Afrikas dürfte sich das Wachstum von 2,6 % im Jahr 2013 auf 2,2 % im Jahr 2014 verlangsamt haben. In Russland schwächte sich das Wachstum vor allem durch die schwache Rohstoffpreisentwicklung und durch die Sanktionen infolge der Ukraine-Krise ab. Nach 1,3 % im Vorjahr lag es im Jahr 2014 bei 0,6 %.

Die wirtschaftliche Aktivität in Lateinamerika dürfte nach 2,5 % im Jahr 2013 nur noch um 0,8 % im Jahr 2014 zugelegt haben. In Brasilien dämpften die politische Unsicherheit der Präsidentschaftswahlen, eine interventionistische Wirtschaftspolitik, die hohe Inflation und die schwachen Rohstoffpreise die Wirtschaft, so dass diese im Jahr 2014 nur in etwa stagniert haben dürfte. Im Jahr 2013 wuchs die brasilianische Wirtschaft noch um 2,5 %.


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