Risikobericht

Einführung

Rahmenwerk für das Risikomanagement

Vor dem Hintergrund unserer breit gefächerten Geschäftsaktivitäten ist es unerlässlich, Risiken effektiv zu identifizieren, zu messen, zu aggregieren und zu steuern sowie die verschiedenen Geschäftsaktivitäten angemessen mit Eigenkapital zu unterlegen. Wir handeln als integrierter Konzern durch unsere Konzern- und Geschäftsbereiche sowie die Infrastrukturfunktionen. Wir steuern unsere Risiken und unser Kapital mithilfe eines Rahmenwerks von Grundsätzen und Organisationsstrukturen sowie Überwachungsprozessen, die eng auf die Tätigkeiten der Konzern- und Geschäftsbereiche ausgerichtet sind. Weitere Informationen zu unserem Risiko- und Kapitalmanagement, das prinzipiell unverändert zum Jahresende 2013 ist, sind in unserem Finanzbericht 2013 enthalten.

Basel 3 und CRR/CRD 4

In der Europäischen Union wurde das neue Basel 3-Kapitalrahmenwerk durch die „Verordnung (EU) Nr. 575/2013 über Aufsichtsanforderungen an Kreditinstitute und Wertpapierfirmen“ (Capital Requirements Regulation, „CRR“), wie geändert, und die „Richtlinie 2013/36/EU über den Zugang zur Tätigkeit von Kreditinstituten und die Beaufsichtigung von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen“ (Capital Requirements Directive 4, „CRD 4“), wie geändert, eingeführt und am 27. Juni 2013 veröffentlicht. Das CRR/CRD 4-Rahmenwerk ersetzt die Gesetze zur Umsetzung der internationalen Eigenkapitalanforderungen entsprechend den Empfehlungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, allgemein als Basel 2 und Basel 2.5 bezeichnet. Um ein einheitliches „Regelwerk“ für Kreditinstitute und Wertpapierfirmen in der Europäischen Union zu schaffen, wurde die CRR unmittelbar zur Anwendung für Kreditinstitute und Wertpapierfirmen gestaltet, was die Notwendigkeit von einzelstaatlichen Vorschriften in Bezug auf die von ihr erfassten Regelungsbereiche vermied. Infolgedessen wurde das deutsche Kreditwesengesetz (KWG) geändert, um alle Bestimmungen zu entfernen, die durch die CRR ersetzt worden sind. Neue Bestimmungen für aufsichtsrechtliche Eigenmittelanforderungen, die aufsichtsrechtliche Bewertung des Ausfallrisikos und von Verbriefungen und viele weitere für die Deutsche Bank relevante Regelungen befinden sich nun in der CRR. Ergänzend erfolgte die Umsetzung der CRD 4 in deutsches Recht über Anpassungen im deutschen KWG und in der deutschen Solvabilitätsverordnung (SolvV) sowie in den begleitenden Verordnungen. Zusammen stellen diese Gesetze und Regulierungen das neue aufsichtsrechtliche Rahmenwerk dar, welches in Deutschland unter anderem in Bezug auf das Kapital, die Verschuldung, die Liquidität und auch für Pillar-3-Veröffentlichungen anwendbar ist.

Das neue aufsichtsrechtliche Rahmenwerk trat am 1. Januar 2014 unter Berücksichtigung verschiedener Übergangsregeln in Kraft. Insofern verwenden wir bei der Darstellung der Ergebnisse unter Berücksichtigung der Übergangsregeln die Bezeichnung „CRR/CRD 4“. Bei Darstellung der Ergebnisse auf Basis einer vollständigen Anwendung des final angestrebten Rahmenwerks (und damit ohne Berücksichtigung der anwendbaren Übergangsregeln) verwenden wir den Begriff „CRR/CRD 4-Vollumsetzung“. In einigen Fällen bestehen trotz der CRR/CRD 4 unverändert Übergangsbestimmungen für die Risikogewichtung bestimmter Gruppen von Vermögenswerten, die von früheren Kapitaladäquanz-Rahmenwerken einschließlich Basel 2.5 eingeführt worden waren. Hierzu gehören Regeln, die z. B. den Bestandsschutz von Beteiligungen mit einem Risikogewicht von 100 % ermöglichen und die Auswahl der höheren Position aus Long und Short Positionen als Basis für die Bemessung im Marktrisiko-Standardansatz erlauben, anstelle der Summe aus Long und Short Positionen. In diesen Fällen geht unsere CRR/CRD 4-Methodik von der Annahme aus, dass die Auswirkungen des Ablaufs dieser Übergangsregelungen durch den Verkauf von zugrunde liegenden Vermögenswerten oder andere Maßnahmen vor dem Ablauf dieser Übergangsregeln gemindert werden wird.

Die neuen Mindestkapitalquoten werden schrittweise bis 2015 eingeführt. Der überwiegende Teil der aufsichtsrechtlichen Anpassungen (das heißt Kapitalabzüge und aufsichtsrechtliche Filter in Korrekturposten) tritt phasenweise bis 2018 in Kraft. Kapitalinstrumente, die nach den neuen Regelungen nicht qualifiziert sind, sind bis 2022 phasenweise nicht mehr zu berücksichtigen. Neue Anforderungen zu Kapitalpuffern werden phasenweise bis 2019 eingeführt. Obwohl die aufsichtsrechtliche Berichterstattung bereits in 2014 beginnt, werden bindende Mindestanforderungen für die kurzfristige Liquidität in 2015 wirksam und ein Standard für die langfristige Liquidität wird in 2018 erwartet. Die Einführung eines verpflichtenden Verschuldungsgrades wird für 2018 erwartet, während die Veröffentlichung der Kennziffer bereits in 2015 beginnen wird.

Zusätzlich zu der Verschärfung der Kapitalanforderungen veränderte das CRR/CRD 4-Rahmenwerk teilweise auch die Terminologie in Bezug auf Kapitaladäquanz und aufsichtsrechtliches Kapital.

Da hinsichtlich der CRR/CRD 4-Regelungen immer noch Interpretationsunsicherheiten bestehen und einige der darauf bezogenen verpflichtenden technischen Regulierungsstandards auch noch nicht final vorliegen, werden wir unsere Annahmen und Modelle kontinuierlich in dem Maße anpassen, wie unser sowie das Verständnis der Industrie und die Interpretation der Regeln sich entwickeln. Vor diesem Hintergrund können unsere CRR/CRD 4-Messgrößen von unseren früheren Erwartungen abweichen. Auch die Annahmen und Einschätzungen unserer Wettbewerber über die Einführung mögen sich verändern, so dass unsere CRR/CRD 4-Kennzahlen nicht mit ähnlich bezeichneten Messgrößen unserer Wettbewerber vergleichbar sind.

Konsolidierungsansatz

Die in den folgenden Veröffentlichungen zum Risiko dargestellten quantitativen Informationen werden in Übereinstimmung mit den International Financial Reporting Standards („IFRS“) dargestellt. Daraus resultiert, dass die Berichterstattung grundsätzlich auf den IFRS-Regeln für Bewertungen und Konsolidierung beruht. Jedoch sind für einige Veröffentlichungen die aufsichtsrechtlichen Regeln zur Konsolidierung relevant, die von denen für den Konzernabschluss abweichen. Diese Regeln wurden durch das CRR/CRD 4-Rahmenwerk nicht materiell geändert und sind in unserem Finanzbericht 2013 genauer beschrieben. In den Fällen, in denen die aufsichtsrechtliche Abgrenzung angewandt wird, ist dies explizit genannt.

Zusammenfassende Risikobewertung

Zu den für uns wichtigen Risikokategorien gehören das Kreditrisiko, das Marktrisiko, das operationelle Risiko (einschließlich Rechtsrisiken), das Geschäftsrisiko (einschließlich steuerlichem und strategischem Risiko), das Reputationsrisiko, das Liquiditätsrisiko, das Modellrisiko und das Einhaltungsrisiko (gemäß MaRisk). Wir steuern die Identifikation, Bewertung und Maßnahmen zur Reduzierung von wesentlichen und möglichen zukünftigen Risiken durch einen internen Governance-Prozess sowie die Anwendung von Risikomanagementinstrumenten und -prozessen. Unser Ansatz zur Identifizierung und Folgenabschätzung zielt darauf ab, Auswirkungen dieser Risiken auf unser finanzielles Ergebnis, unsere langfristigen strategischen Ziele und unsere Reputation zu reduzieren.

Im Rahmen unserer regelmäßigen Analyse von Risiken und deren Zusammenhängen werden die Sensitivitäten der wichtigsten Portfoliorisiken durch eine induktive Risikobewertung und durch eine deduktive makroökonomische Szenarioanalyse überprüft, bei welcher auch geopolitische Szenarien berücksichtigt werden. Dieser duale Ansatz erlaubt es uns, nicht nur Risiken zu erfassen, die sich auf unsere Risikobestände und Geschäftsbereiche auswirken, sondern auch solche, die nur für bestimmte Portfolios relevant sind.

Aktuelle portfolioweite Risiken, auf die wir uns weiterhin fokussieren, sind: eine mögliche erneute Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise, Turbulenzen durch eine restriktivere Geldpolitik in den USA und die damit verbundenen Auswirkungen auf Emerging Markets wie auch auf die erweiterte Entwicklungen im Kredit- und Marktrisikobereich und das potenzielle Risiko eines geopolitischen Schocks. Diese Risiken standen in den letzten Quartalen durchgehend im Fokus. Die Bewertung der potenziellen Auswirkungen dieser Risiken erfolgt durch Integration in unsere konzernweiten Stresstests, die unsere Absorptionsfähigkeit dieser Ereignisse für den Fall ihrer Realisierung bewerten. Die Ergebnisse dieser Tests zeigten, dass wir derzeit ausreichend Kapital und Liquiditätsreserven vorhalten, um die Auswirkungen dieser Risiken zu absorbieren, falls sie in Übereinstimmung mit den Parametern der Stresstests eintreten.

Zusätzlich wurden potenzielle primäre und sekundäre Effekte aus der politischen Situation zwischen Russland und der Ukraine auf die Portfolios der Deutschen Bank überprüft, um die neuesten geopolitischen Entwicklungen widerzuspiegeln.

Wie auch schon im vorangegangenen Jahr hielt auch in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2014 der globale Trend zu mehr Regulierung in der Finanzdienstleistungsbranche an, der sich auch in den nächsten Jahren wahrscheinlich fortsetzen wird. Wir konzentrieren uns daher darauf, dass wir potenzielle aufsichtsrechtliche Änderungen identifizieren und deren mögliche Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell und unsere Prozesse bewerten.