Deutsche Bank

Geschäftsbericht 2015

Brief der Vorstandsvorsitzenden

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

2015 war ein herausforderndes Jahr für die Deutsche Bank. Wir haben eine neue Strategie für die nächsten fünf Jahre angekündigt und damit begonnen, sie entschlossen umzusetzen. Das Ziel unserer Strategie 2020 ist einfach: Wir wollen eine bessere, stärkere Deutsche Bank schaffen. Das setzt voraus, dass wir schlanker und effizienter arbeiten und unsere Risiken reduzieren. Gleichzeitig werden wir das Kapitalpolster weiter stärken. All das erfordert viel Disziplin.

Erste Erfolge dieses ehrgeizigen Umbaus sind bereits sichtbar. Mit einem neu ernannten Führungsteam haben wir unsere Geschäftsbereiche so aufgestellt, dass sie sich besser an den Kundenbedürfnissen orientieren können.

Zudem haben wir bereits die Komplexität verringert: Es gibt nun weniger Leitungsgremien, so dass Entscheidungen schneller getroffen werden können. Auf diese Weise übertragen wir auch wieder mehr Verantwortung auf den Einzelnen.

Darüber hinaus haben wir uns aus einigen Ländern zurückgezogen und begonnen, Kundenbeziehungen zu beenden, die unserer Auffassung nach nicht zum Kerngeschäft zählen oder mit hohen Risiken verbunden sind. Wir prüfen sorgfältig, mit wem wir welche Geschäfte eingehen.

Auch mit Blick auf unser Kapitalpolster kommen wir voran. Sobald wir unsere Beteiligung an der Hua Xia Bank in China wie angekündigt verkauft haben, wird sich das Verhältnis von Kernkapital zu risikogewichteten Aktiva weiter deutlich verbessern. Auch der schnelle Abbau jener Bilanzposten, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören, wird unserer Kapitalquote zugute kommen.

Bei den Rechtsstreitigkeiten werden wir wichtige Verfahren voraussichtlich noch in diesem Jahr abschließen; dies reduziert die damit verbundene Unsicherheit. Es lässt sich derzeit jedoch nicht sicher sagen, ob die vorhandenen Rückstellungen ausreichen, um die kompletten Kosten zu decken.

Zielstrebig haben wir begonnen, die Postbank von der Deutschen Bank zu separieren. Allerdings stehen wir hier nicht unter Druck. Wir werden die regulatorischen und marktgetriebenen Rahmenbedingungen genau beobachten, um eine richtige Lösung zu finden.

Die kurzfristig erforderlichen Maßnahmen zum Umbau der Bank haben sich leider sehr deutlich auf die Finanzergebnisse des vergangenen Geschäftsjahres ausgewirkt. Insgesamt haben wir Wertminderungen von 6,5 Mrd € vorgenommen. Zudem haben wir Aufwendungen von 5,2 Mrd € im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten und regulatorischen Angelegenheiten verzeichnet. Schließlich haben wir für Aufwendungen für Restrukturierung und Abfindungen 1,0 Mrd € gebucht.

In der Summe hatten diese Faktoren einen negativen Effekt von 12,4 Mrd € nach Steuern. Unterm Strich blieb somit ein Verlust nach Steuern von 6,8 Mrd € für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Dies hat leider überdeckt, wie solide wir in unseren vier Kerngeschäftsfeldern unterwegs waren. Die Deutsche Bank ist im vergangenen Jahr gewachsen. Die Erträge des Konzerns lagen mit 33,5 Mrd € um 5 % über dem Vorjahr. Das beweist das Vertrauen, das unsere Kunden der Bank entgegenbringen.

Im Firmenkundengeschäft und Wertpapierhandel (Corporate Banking & Securities) stiegen die Erträge leicht im Vergleich zum Vorjahr trotz einer herausfordernden zweiten Jahreshälfte. Bereinigt um die Wertberichtigung auf die Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank waren die Erträge im Bereich Privat- und Geschäftskunden trotz anhaltend niedriger Zinsen im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil. Der Vorsteuergewinn im Bereich Vermögensverwaltung und Vermögende Kunden stieg um 23 %, was unter anderem auf Nettomittelzuflüsse von über 60 Mrd € in den vergangenen zwei Jahren zurückzuführen ist. Unsere globale Transaktionsbank erzielte mit einem Plus von 25 % beim Vorsteuergewinn sogar ein Rekordergebnis, worauf wir besonders stolz sind.

2016 und 2017 werden wir entschlossen dabei voranschreiten, die Bank neu auszurichten und entsprechend zu investieren. Ein Fokus ist dabei, in unsere Technologie und Infrastruktur zu investieren. Im Handelsgeschäft werden wir unser Produktangebot verschlanken und uns auf die wichtigsten Kundenbeziehungen und Standorte konzentrieren. Unser Filialnetz in Deutschland verkleinern wir und stärken dabei unser bereits marktführendes Digitalangebot für unsere Privatkunden.

Während wir voraussichtlich eine größere Zahl an Standorten schließen werden, modernisieren wir andere Filialen. Wir sind zuversichtlich, durch den Umbau des Filialnetzes den Bedürfnissen unserer Kunden besser gerecht werden zu können. Denn künftig werden die meisten Filialen den vollen Umfang der Expertise, den die Kunden von der Deutschen Bank erwarten, anbieten können.

Auch in dieser wichtigen Umbruchphase ist es unverzichtbar, dass wir unsere Kapitalposition erhalten und weiter stärken. Deshalb haben wir bereits empfohlen, für die Geschäftsjahre 2015 und 2016 keine Dividende auszuschütten. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, denn uns ist bewusst, dass dies die Rendite unserer Aktionäre verringert. Aber es ist die richtige Entscheidung, um das Vertrauen in unsere Bank zu sichern.

Wir erwarten, dass sich die Früchte unserer Arbeit ab 2018 in unseren Ergebnissen und in der Erreichung unserer Ziele positiv niederschlagen werden.

Unsere Vision ist eine erfolgreiche Deutsche Bank, der man vertraut. Wir wollen Finanzlösungen, Technologien, Produkte und Services anbieten, die die Erwartungen unserer Kunden übertreffen. In Deutschland, unserem wichtigen und starken Heimatmarkt, möchten wir über alle Kundensegmente hinweg der angesehenste Finanzdienstleister sein. Wir wollen unter den Banken in Europa die Nummer eins für unsere Firmen- und institutionellen Kunden und Anleger sein. Und wir wollen die beste ausländische Bank in den Vereinigten Staaten und in Asien sein.

Eine führende Präsenz am Kapitalmarkt ist deshalb ein wesentlicher Teil unserer Vision. Der Zugang zu den globalen Kapitalmärkten ermöglicht Unternehmen und Institutionen, sich günstig zu finanzieren und sich gegen Risiken abzusichern. Deshalb wird die Deutsche Bank ihren Kunden weiterhin den Zugang zu den Kapitalmärkten weltweit ermöglichen und entsprechende strategische Beratung anbieten. Unsere Expertise auf diesem Feld hilft darüber hinaus Privatkunden und Anlegern, ihren Wohlstand zu vermehren und für den Ruhestand vorzusorgen.

Die weltweiten Finanzmärkte waren zu Jahresbeginn 2016 volatil. Dies wirkte sich auf die Bankenbranche aus. Das für gewöhnlich starke erste Quartal droht in diesem Jahr für die gesamte Branche schlecht auszufallen. Die Deutsche Bank ist hier keine Ausnahme.

Doch auch in Zeiten turbulenter Märkte bleibt die Deutsche Bank überaus solide. Unsere Kapitalbasis ist stark und liegt deutlich oberhalb der regulatorischen Anforderungen. Weiterhin verfügen wir über eine starke Liquiditätsposition mit Liquiditätsreserven zum Jahresende von 215 Mrd € und über sehr verlässliche Refinanzierungsquellen. Unsere Zuversicht beruht auf der Kernstärke der Deutschen Bank und unseren engen Kundenbeziehungen weltweit. Die Grundlage dafür ist die bewährte Stärke unserer Belegschaft: Der Vorstand der Bank verpflichtet sich deshalb, alles dafür zu tun, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich mit der Deutschen Bank identifizieren und wieder mit Stolz über ihren Arbeitgeber sprechen können. Denn sie sind es, die die Deutsche Bank wirklich stark machen.

Wir möchten deshalb diesen Brief auch dafür nutzen, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz, ihre harte Arbeit und das in vielen Bereichen sehr gute operative Ergebnis zu danken. Zusammen schaffen wir eine bessere Deutsche Bank, die nachhaltig Wert schafft – für unsere Kunden, für unsere Aktionäre, für die Gesellschaft.

Mit besten Grüßen

Ihr

John Cryan
Co-Vorsitzender des Vorstands,
Deutsche Bank AG

Jürgen Fitschen
Co-Vorsitzender des Vorstands,
Deutsche Bank AG

Frankfurt am Main, März 2016