Deutsche Bank

Geschäftsbericht 2015

Die Weltwirtschaft

Im Jahr 2016 dürfte das globale Wachstum der Weltwirtschaft 3,0 % betragen und damit das fünfte Jahr in Folge unter der Trendwachstumsrate liegen. Die globale Inflationsrate dürfte sich voraussichtlich auf 3,7 % beschleunigen, hauptsächlich bedingt dadurch, dass im Vergleich zum Vorjahr der negative Effekt der Rohstoffpreise auf die Inflation geringer ausfällt. Für die Industrieländer rechnen wir mit einer geringfügigen Wachstumsverlangsamung auf 1,3 % und einem leichten Anstieg der Verbraucherpreise um 0,8 %. Dagegen erwarten wir in den Schwellenländern eine Wachstumsbeschleunigung auf 4,3 %. Die dortige Inflationsrate dürfte bei 5,7 % liegen.

Das BIP der Eurozone dürfte, unterstützt vom niedrigen Ölpreis und einer langsamen Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt, im Jahr 2016 um 1,4 % steigen. Unterstützt wird die Konjunktur der Eurozone zudem weiter durch die expansiv ausgerichtete Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Verlauf des Jahres wahrscheinlich ihre Geldpolitik noch expansiver ausrichten wird. Dämpfend wirken jedoch geopolitische Risiken, das Stocken der Strukturreformen und das hohe Niveau der privaten und öffentlichen Verschuldung. Die Verbraucherpreise dürften um 0,2 % steigen. Die deutsche Wirtschaft dürfte im Jahr 2016, allein binnenwirtschaftlich getrieben, um 1,7 % wachsen.

Für die USA erwarten wir im Jahr 2016 ein Wirtschaftswachstum von 1,2 %. Während das externe Umfeld infolge der Stärke des US-Dollar und der verhaltenen globalen Nachfrage sowie der ölpreisbedingte negative Effekt auf den Energiesektor dämpft, sorgen die solide Arbeitsmarktentwicklung und der Häusermarkt für positive Impulse. Die Verbraucherpreise steigen wahrscheinlich um 1,2 %. Die Geldpolitik der Federal Reserve dürfte insgesamt weiter die US-Konjunktur unterstützen. Wir rechnen mit einem Leitzins der Fed von 0,6 % zum Jahresende 2016.

Die japanische Wirtschaft dürfte im Jahr 2016 um 0,3 % schrumpfen. Die inländische und ausländische Nachfrage dürfte zurückgehen. Die Geldpolitik dürfte weiter extrem expansiv ausgerichtet sein. Die Inflation dürfte bei 0,2 % liegen. Das Wachstum in den Schwellenländern insgesamt wird sich im Jahr 2016 wahrscheinlich erhöhen. Das Wachstum in Asien (ohne Japan) dürfte sich mit 6,1 % mehr oder weniger seitwärts bewegen und die Inflation bei 2,7 % liegen. Chinas Wirtschaft dürfte im Jahr 2016 zum Großteil durch die Abkühlung des Sekundärsektors und der Investitionen nur noch um 6,7 % zulegen und eine Inflationsrate von 1,8 % erreichen. Die Geldpolitik dürfte wahrscheinlich noch expansiver ausgerichtet werden, um die Wirtschaft zu stützen.

Zahlreiche Risiken erhöhen derzeit die Unsicherheit unserer globalen Prognose stärker als üblicherweise. Die globalen Finanzmärkte könnten deutlich negativer als unterstellt auf die geldpolitische Normalisierung der US-Geldpolitik reagieren. Dies könnte weltweit negative Auswirkungen auf die Ausgaben der Haushalte und Unternehmen haben und zu deutlich stärkeren Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern führen. Der Rückgang des Ölpreises verschärft die Probleme in den Förderländern und erhöht die Finanzierungsprobleme für Energieinvestitionen. Zudem könnte es zu einer Eskalation geopolitischer Risiken kommen, insbesondere der Konflikte im Nahen Osten. Ebenfalls könnte eine harte Landung Chinas globale Verwerfungen nach sich ziehen. In Europa könnten eine aufflammende Diskussion über den weiteren Kurs der Geldpolitik und die Zukunft der Eurozone, eine ausbleibende Konsolidierung im öffentlichen oder privaten Sektor, ein Stoppen bei der Implementierung von Strukturreformen oder aber eine gestiegene Zustimmung für populistische Parteien erhebliches Störpotenzial für unsere Prognosen entfalten. Das Referendum in Großbritannien, regionale Unabhängigkeitsbestrebungen und anhaltend schwierige Verhandlungen mit Griechenland stellen weitere Risiken dar. Außerdem könnte die Flüchtlingskrise die politische Uneinigkeit in der Europäischen Union weiter verschärfen.