Überblick zur Finanz- und Ertragslage

Wirtschaftliches Umfeld

Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte sich im zweiten Quartal 2015 leicht auf 3,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal verlangsamt haben. Während sich das Wachstum in den Industrieländern leicht auf 1,9 % beschleunigt haben dürfte, verlangsamte sich das Wachstum in den Schwellenländern im zweiten Quartal 2015 voraussichtlich auf 4,5 %.

Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte im zweiten Quartal 2015 annualisiert um 1,7 % gegenüber dem Vorquartal zugelegt haben, nachdem sie im ersten Quartal um 1,6 % expandierte. Unterstützend wirkten der niedrige Ölpreis und ein schwächerer Euro. Die deutsche Wirtschaft dürfte, hauptsächlich durch die Binnenwirtschaft getrieben, im zweiten Quartal 2015 um 1,8 % gewachsen sein. Im Vorquartal lag das Wachstum bei 1,1 %.

Nach einem vor allem von Sonderfaktoren getriebenen Rückgang von annualisiert 0,2 % gegenüber dem Vorquartal im ersten Quartal 2015 dürfte sich die Dynamik in den USA im zweiten Quartal auf 2,5 % erhöht haben. Das Wachstum der japanischen Wirtschaft dürfte sich im zweiten Quartal 2015 auf 1,0 % gegenüber dem Vorquartal verlangsamt haben, nachdem es im ersten Quartal 2015 3,9 % betragen hatte.

In China lag das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahr unverändert bei 7,0 %. Die russische Wirtschaft dürfte nach einem Rückgang um 1,9 % im ersten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahr im zweiten Quartal 2015 um 4,3 % geschrumpft sein.

Die globale Bankenbranche setzte während des zweiten Quartals 2015 ihre allmähliche Erholung fort und erwies sich dabei als bislang relativ robust gegenüber der Griechenlandkrise, die sich erheblich zugespitzt hatte. Im Euroraum setzte sich das leichte Wachstum der Kredite an private Haushalte fort, während die Kreditvergabe an Unternehmen im Grunde stagnierte. Auf der Einlagenseite hielt der Aufwärtstrend an, zudem könnten die Einlagen von Unternehmen erstmals die Grenze von 2 Bio € überschritten haben (bei Haushalten liegt das Volumen mittlerweile bei 6,5 Bio €). Bei der Ausweitung der Bilanzsumme waren die Banken nach dem rasanten Anstieg zu Jahresbeginn nun etwas zurückhaltender.

In Deutschland schwächte sich die Kreditvergabe an Unternehmen nach dem starken Jahresauftakt im zweiten Quartal 2015 wieder ab, dafür blieb die Expansion des privaten Hypothekengeschäfts ungebrochen und auch die Konsumentenkreditfinanzierung zeigte sich relativ stabil.

In den USA sank das Wachstumstempo in der Kreditvergabe an Unternehmen deutlich, blieb aber weiterhin hoch. Zuvor hatte es angesichts von Zuwachsraten von teilweise 15 % (annualisiert) Anzeichen einer Überhitzung gegeben. Das Immobilienkreditgeschäft mit Privatpersonen fiel in die Stagnation zurück, bei Konsumentenkrediten jedoch gab es eine leichte Belebung. Die Einlagen des Privatsektors wuchsen zum zweiten Mal in den letzten drei Quartalen deutlich schwächer als im Durchschnitt der letzten Jahre, so dass sich die Expansionsrate auf nur noch 5,3 % verringerte. Dies ist ein allerdings immer noch beachtlicher Wert angesichts des herrschenden Niedrigzinsumfelds und stellt damit keinen Grund zur Besorgnis dar, wenn man den bei US-Banken sehr hohen Anteil der Einlagenrefinanzierung berücksichtigt.

Im Investmentbanking verlief das zweite Quartal 2015 insgesamt etwas schwächer gegenüber dem starken zweiten Quartal 2014, die Ergebnisse blieben aber sehr robust. Im Fremdkapitalsegment lagen die Volumina und die entsprechenden Erträge der Banken deutlich unter dem Rekordniveau des Vorjahres, waren aber nichtsdestoweniger solide. Moderate Rückgänge gab es sowohl im Investment-Grade- als auch im Hochzinssegment, während nach Regionen die USA entgegen dem globalen Trend insgesamt Zuwächse verzeichnen konnten. Ein erneut gutes Quartal verbuchten Eigenkapitalemissionen, auch wenn die Volumina leicht unter dem starken Vorjahresniveau blieben. Wie schon im ersten Quartal 2015 schnitten Folgeplatzierungen im zweiten Quartal 2015 ausgesprochen gut ab, während Börsengänge etwas schwächelten. Nicht zuletzt deswegen gingen unter dem Strich die Erträge der Banken gegenüber dem Vorjahr auch leicht zurück, blieben aber auf einem ordentlichen Niveau. Starkes Wachstum fand in Asien statt, der europäische Markt schrumpfte dagegen etwas überraschend. Im Geschäft mit der Beratung bei Fusionen und Übernahmen hielt das ausgesprochen positive Umfeld an, auch wenn die Ertrags- nicht ganz mit der Volumenentwicklung Schritt halten konnte. Auch hier lag Asien beim Wachstum vorn, gefolgt von den USA und einem signifikant weniger dynamischen Europa. Die Handelsvolumina lagen sowohl im Aktien- als auch im festverzinslichen Bereich leicht über dem Vorjahresniveau.

In der Vermögensverwaltung dürften die Banken von weiterhin hohen Bewertungen an den Kapitalmärkten bei gleichzeitig gestiegener Volatilität profitiert haben. Nicht nur die sich zuspitzende Lage in Griechenland, sondern auch Unsicherheiten über die weitere (Auseinander-)Entwicklung der Geldpolitik in den USA und im Euroraum sowie die konjunkturelle Abkühlung vieler Schwellenländer und insbesondere Chinas hatten während des zweiten Quartals 2015 zu teils beträchtlichen Schwankungen an den globalen Finanzmärkten geführt. Die Rendite für 10-jährige Bundesanleihen markierte zunächst ein neues Allzeittief von nahezu null, bevor sie abrupt anstieg und zum Ende des zweiten Quartals 2015 bei 0,8 % lag. Die Rendite für US-Staatsanleihen notierte Ende Juni bei rund 2,3 % und damit knapp einen halben Prozentpunkt höher als Ende März 2015.

Unter dem Strich dürften sowohl die US-amerikanischen als auch die europäischen Banken im zweiten Quartal 2015 vergleichsweise gute Ergebnisse erzielt haben, auch dank geringerer Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten, wohingegen das Bild bei der Risikovorsorge eher gemischt ausgefallen sein könnte.

Mit Blick auf neue regulatorische Entwicklungen blieb im zweiten Quartal 2015 ein wesentlicher Fokus auf den Diskussionen über eine weitere Erhöhung der Eigenkapitalstandards für Banken mittels einer Reihe verschiedener Maßnahmen: die grundlegende Überprüfung der Risikogewichte im Handelsbuch, die angestrebte Harmonisierung der Risikogewichte durch die Einführung von Schwellenwerten in internen Risikobewertungsmodellen, die Verpflichtung der Banken, weitere Kapitalkomponenten (Total Loss Absorbing Capacity (TLAC)) über das harte Kernkapital hinaus vorzuhalten, die im Bedarfsfall für eine Restrukturierung/Bail-in herangezogen werden können, und eine mögliche Erhöhung der Verschuldungsquote (Leverage-Ratio) über die bislang unter Basel III geplanten 3 % hinaus.