Deutsche Bank

Geschäftsbericht 2016

Die Weltwirtschaft

Im Jahr 2017 dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft auf 3,5 % moderat beschleunigen, nachdem es im Jahr 2016 mit lediglich 3,0 % den schwächsten Anstieg seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2009 verzeichnet hatte. Die globale Inflationsrate dürfte sich voraussichtlich auf 5,2 % in 2017 beschleunigen, hauptsächlich aufgrund der wieder anziehenden Rohstoffpreise. Für die Industrieländer rechnen wir mit einer Erhöhung des Wachstums auf 1,9 % und einem Anstieg der Verbraucherpreise um 1,6 %. In den Schwellenländern dürfte sich das Wachstum im Jahr 2017 auf 4,6 % erhöhen. Die Inflationsrate dürfte dort bei 7,8 % liegen.

Der Ausblick für die Konjunktur der Eurozone bleibt herausfordernd und das BIP-Wachstum dürfte sich im Jahr 2017 auf 1,3 % verlangsamen. Die kommenden Schlüsselwahlen in den großen EU-Mitgliedstaaten und die damit verbundene Unsicherheit dürften das Wachstum im ersten Halbjahr 2017 dämpfen. Vorausgesetzt die politischen Risiken treffen nicht ein, erwarten wir, dass die Konjunktur in Folge der deutlich anziehenden US-Konjunktur, einer fiskalischen Lockerung und der unterstützenden gelpolitischen Ausrichtung der Europäischen Zentralbank (EZB) im zweiten Halbjahr 2017 anziehen wird. Gemäß der Ankündigung vom Dezember 2016 verlängerte die EZB ihr Assetkaufprogramm um 9 Monate bis Ende des Jahres 2017. Die EZB wird die monatlichen Käufe aber im April 2017 auf 60 Mrd € reduzieren. Die Verbraucherpreise dürften im Jahr 2017 um 1,4 % steigen. Nach einem BIP-Wachstum von 1,9 % in 2016, erwarten wir, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2017 um 1,1 % expandiert, getrieben von der Binnenkonjunktur. Etwa die Hälfte der Verlangsamung geht dabei auf die geringere Zahl an Arbeitstagen zurück.

Für die USA erwarten wir im Jahr 2017 eine Erhöhung des Wirtschaftswachstums auf 2,6 %. Die dämpfenden Effekte, die der niedrige Ölpreis auf den Energiesektor ausübte, der Lagerabbau sowie Nettoexporte, die durch das sich in letzter Zeit ausweitende Handelsbilanzdefizit wachstumshindernd wirkten, dürften nach und nach abklingen und der private Konsum weiter solide wachsen. Insbesondere ab der zweiten Jahreshälfte 2017 könnte das Zusammenspiel von Steuersenkungen, Deregulierungsmaßnahmen und Infrastrukturinvestitionen der neuen US-Regierung unter Präsident Donald J. Trump das Wachstum deutlich erhöhen. Wir erwarten eine Steigerung der Verbraucherpreise um 2,1 %. Die Geldpolitik der Federal Reserve dürfte insgesamt weiter die US-Konjunktur unterstützen. Wir rechnen mit drei Erhöhungen des Leitzinses auf 1,375 % zum Jahresende 2017.

Die japanische Wirtschaft dürfte hauptsächlich binnenwirtschaft getrieben im Jahr 2017 mit erwartungsgemäß 1,1 % leicht stärker als im Vorjahr wachsen. Die Ausrichtung der Geldpolitik dürfte weiter unterstützend wirken. Im Fokus steht für die Bank of Japan die Zinskurvenkontrolle und das Tempo der Ausweitung der monetären Basis dürfte sich verlangsamen. Die Inflation wird annahmegemäß bei 0,6 % im Jahr 2017 liegen. Das Wachstum in den Schwellenländern insgesamt wird sich im Jahr 2017 wahrscheinlich auf 4,6 % erhöhen. Das Wachstum in Asien (ohne Japan) dürfte sich mit 5,9 % mehr oder weniger seitwärts bewegen und die Inflation bei 3,0 % liegen. Chinas Wirtschaft dürfte im Jahr 2017 nur noch um 6,5 % zulegen und die Inflationsrate auf 2,5 % steigen. Dies setzt aber eine zusätzliche Kreditausweitung voraus, welche das Risiko für eine Blasenbildung auf dem Immobilienmarkt und steigenden Kapitalabflüssen erhöht. Um den Immobiliensektor zu stützen könnte die People Bank of China das Kreditangebot ausweiten. Wir erwarten keine Leitzinsveränderung im Jahr 2017.

Die Unsicherheit unserer globalen Prognose bleibt angesichts der zahlreichen Risiken relativ hoch. Die globalen Finanzmärkte könnten deutlich negativer als unterstellt reagieren, wenn der durch die neue US-Regierung erwartete deutliche Wachstumsschub geringer als erwartet ausfällt oder aber protektionistische Maßnahmen ergriffen werden. Andererseits könnte es im Zuge einer US-Wachstumsbelebung zu einem stärker als unterstellten Anstieg der Zinsen kommen. Dies könnte weltweit negative Auswirkungen auf die Ausgaben der Haushalte und Unternehmen haben und zu deutlich stärkeren Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern führen. Ebenfalls könnte eine harte Landung Chinas globale Verwerfungen nach sich ziehen. Zudem könnte es zu einer Eskalation geopolitischer Risiken kommen, insbesondere der Konflikte im Nahen Osten. In Europa könnte ein chaotisch verlaufender Brexit, eine aufflammende Diskussion über den weiteren Kurs der Geldpolitik und die Zukunft der Eurozone, ein Stoppen bei der Implementierung von Strukturreformen oder aber eine gestiegene Zustimmung für populistische Parteien erhebliches Störpotenzial für unsere Prognosen entfalten. Regionale Unabhängigkeitsbestrebungen bleiben eine Herausforderung für die Stabilität der EU. Außerdem könnte ein Wiederaufkommen der Flüchtlingskrise die politische Uneinigkeit in der Europäischen Union weiter verschärfen.