Deutsche Bank

Geschäftsbericht 2016

Umfeld Bankenbranche

Die Kreditentwicklung mit dem privaten Sektor in der Eurozone verlief auch im Jahr 2016 sehr verhalten. Das Kreditvolumen mit Unternehmen stagnierte wie schon im Vorjahr, nachdem es in den drei Jahren zuvor um insgesamt fast ein Zehntel geschrumpft war. Die Kreditvergabe an private Haushalte legte moderat um rund 2 % gegenüber dem Vorjahr zu, vor allem aufgrund von Expansion im Hypothekengeschäft. Auf der Passivseite hielt das starke Wachstum der Unternehmenseinlagen mit ca. 6 % p.a. an und bei den Einlagen der Haushalte erhöhten sich die Zuflüsse trotz minimaler Zinsen auf fast 4 %. Insgesamt beschleunigte sich damit das Einlagenwachstum leicht und der Abstand zum Kreditwachstum wurde größer. Die Zinsen fielen weiter. Die leichte Volumenausweitung konnte den Margenrückgang um rund 7 % gegenüber dem Vorjahr nicht ausgleichen, so dass der Zinsüberschuss der Banken nach einem vorübergehenden Anstieg in den Jahren 2014 und 2015 wieder etwas gesunken sein dürfte.

In Deutschland hat sich mit Blick auf das Kreditgeschäft der Abstand zum Euroraum 2016 vergrößert, nachdem die Dynamik vor einem Jahr noch ähnlich gering gewesen war. Die Ausleihungen an Unternehmen lagen aufgrund einer starken zweiten Jahreshälfte 2016 mehr als 2 % höher als ein Jahr zuvor, die an Haushalte sogar 3 %, was ebenfalls im Wesentlichen auf eine starke Entwicklung bei Hypothekarkrediten zurückzuführen ist. Die Einlagen des Privatsektors beschleunigten ihre Expansion paradoxerweise auf rund 5 %, obwohl das Zinsniveau noch unter dem europäischen Durchschnitt liegt. Die Zinsen auf Unternehmenseinlagen fielen sogar im Aggregat erstmals in der Geschichte in den negativen Bereich. Trotzdem hielt das die Firmen nicht davon ab, noch mehr Liquidität bei den Banken zu parken. Der deutsche Unternehmenssektor ist aus Bankensicht atypischerweise Netto-Sparer, d.h. seine Einlagen übersteigen das Kreditvolumen.

In den USA zog die Kreditvergabe im Jahr 2016 von hohem Niveau zunächst noch weiter an, bevor sie im letzten Quartal 2016 wieder etwas nachließ. Insgesamt bleibt das klassische Bilanzgeschäft jedoch sehr schwungvoll: Privatkundenkredite befinden sich mit etwa 5 % im Plus gegenüber dem Vorjahr, Firmenkredite sogar mit über 8 %. Letztere haben die nominalen Vorkrisenstände mittlerweile deutlich übertroffen und einen neuen Rekordwert erreicht, getrieben von einem breiten Aufschwung sowohl bei gewerblichen Immobilien- als auch klassischen Unternehmenskrediten im engeren Sinne. Das Retailsegment profitiert vom anhaltenden Boom bei Verbraucherkrediten ebenso wie vom Umschwung bei Hypotheken, die erstmals seit der Finanzkrise wieder robust wachsen. Die Einlagen des Privatsektors legten weiter in außergewöhnlich hohem Tempo zu und haben zuletzt mit einem Zuwachs von rund 8 % gegenüber dem Vorjahr noch mehr Fahrt aufgenommen. Ihr Gesamtbetrag hat sich seit dem Jahr 2004 verdoppelt.

In Japan expandieren die insgesamt ausstehenden Kredite unverändert mit reichlich 2 % verglichen mit dem Vorjahr, wohingegen dem Bankensektor immer mehr Einlagen zufließen. Hier hat sich der Anstieg auf 6 % erhöht, den höchsten Wert seit Beginn der Statistik 2001.

In China zeichnet sich eine Überhitzung der Kreditvergabe an private Haushalte ab. Allein in den letzten 12 Monaten hat das Kreditvolumen hier um 23 % zugelegt, wofür insbesondere die mittel- bis langfristigen Ausleihungen verantwortlich sind. Diese haben sich in nur dreieinhalb Jahren verdoppelt, bei einem kumulierten nominalen Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft seit Ende 2012 von nur 39 %. Der Anstieg der Verschuldung der Unternehmen bei den Banken hat sich dagegen zuletzt auf lediglich 8 % gegenüber dem Vorjahr verlangsamt. Den Banken hilft, dass auch auf der Refinanzierungsseite die Dynamik in letzter Zeit zugenommen hat, die Einlagen des Privatsektors liegen mittlerweile 14 % höher als zum Ende des Jahres 2015.