Deutsche Bank

Geschäftsbericht 2017

Brief des Vorstandsvorsitzenden

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

für 2017 weisen wir erneut einen Jahresverlust nach Steuern aus. Damit sind wir im Vorstand selbstverständlich nicht zufrieden. Dennoch gab es im vergangenen Jahr viel Positives, und wir sind trotz eines schwierigen Umfelds beim Umbau unserer Bank gut vorangekommen.

Unsere Ergebnisse sind besser, als es auf den ersten Blick aussieht. Während wir nach Steuern einen Verlust von 735 Millionen Euro verzeichneten, erreichten wir vor Steuern ein positives Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro – es war der erste Vorsteuergewinn seit 2014. Der Unterschied geht vor allem auf Bewertungsanpassungen bei latenten Steueransprüchen in den USA zurück. Auslöser dafür war die US-Steuerreform, die Ende Dezember 2017 verabschiedet wurde und die zu einem niedrigeren Körperschaftsteuersatz führt. Dies wird unser Ergebnis in den kommenden Jahren verbessern. Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung eine Dividende von 11 Cent pro Aktie vorschlagen.

Während sich unser Vorsteuerergebnis bereits verbessert hat und wir unsere Kosten weiter senken konnten, sind wir mit der Entwicklung unserer Erträge nicht zufrieden. 2017 sind sie um zwölf Prozent zurückgegangen. Dies ist zum Teil dem Geschäftsumfeld für unsere Unternehmens- und Investmentbank geschuldet, zum Teil aber auch das Ergebnis unserer Entscheidungen, die wir bereits im Herbst 2015 angekündigt hatten. Der Verkauf mehrerer Geschäftseinheiten wie Abbey Life oder der Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank Ende 2016 führte nicht nur zu geringeren Kosten, sondern auch zu niedrigeren Erträgen.

Rechnet man Sondereffekte wie diese Verkäufe heraus, bleibt ein Ertragsrückgang um fünf Prozent. Wichtige Ursachen dafür waren die anhaltend niedrigen Zinsen, die historisch geringen Schwankungen an den Wertpapiermärkten sowie die Zurückhaltung der Kunden.

Gleichwohl haben wir 2017 in wesentlichen Geschäftsfeldern nach dem schwierigen Jahr 2016 wieder Boden gutgemacht. Und was noch wichtiger ist: Uns sind bedeutende Schritte gelungen, um die Grundlage für langfristiges Wachstum zu schaffen:

  • Wir haben unsere Geschäftsbereiche neu geordnet, um für unsere Kunden schlagkräftiger zu sein:
    • Wir behalten die Postbank, um sie mit dem Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank zusammenzuführen. So schaffen wir den klar führenden Anbieter auf unserem Heimatmarkt mit mehr als 20 Millionen Kunden. Bis Mitte des Jahres wollen wir beide Marken aus einer gemeinsamen Gesellschaft heraus führen. Wir erwarten Synergien, die sich schrittweise aufbauen und ab 2022 rund 900 Millionen Euro pro Jahr erreichen sollen.
    • Im Geschäft mit besonders vermögenden Privatkunden (Wealth Management) expandieren wir in Deutschland nach der Integration des Bankhauses Sal. Oppenheim weiter. Auch unsere Präsenz in wichtigen internationalen Märkten haben wir weiter ausgebaut, insbesondere in Asien.
    • Unseren Vermögensverwalter DWS bringen wir an die Börse, um mit mehr Autonomie das ganze Potenzial dieses Geschäfts zu nutzen. Nach umfangreichen Vorbereitungen konnten wir Ende Februar bekannt geben, dass wir nun eine Erstnotiz zum frühestmöglichen Zeitpunkt anstreben. Als Deutsche Bank planen wir, auch langfristig die Mehrheit an der neuen Gesellschaft zu halten.
    • Unsere Unternehmens- und Investmentbank vereint inzwischen die gesamte Bandbreite der Dienstleistungen unter einem Dach, von der Unternehmensfinanzierung über die Transaktionsbank bis zum Kapitalmarktgeschäft. Sie ist klarer denn je auf Firmen und unsere wichtigsten institutionellen Kunden ausgerichtet. Es ist und bleibt unser Anspruch, die führende europäische Bank mit weltweitem Netzwerk zu sein.
  • Wir haben unsere Finanzkraft weiter verbessert. Sie, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, haben uns acht Milliarden Euro an zusätzlichem Eigenkapital anvertraut. Unsere harte Kernkapitalquote (bei voller Umsetzung der Basel-3-Regeln) hat sich so im Jahresverlauf von 11,8 auf 14 Prozent verbessert. Damit gehören wir nun zur Spitzengruppe unter den großen internationalen Banken.
  • Wir haben die Altlasten in unserer Bilanz weiter reduziert und wichtige Rechtsfälle beigelegt: 15 der 20 Fälle, auf die Anfang 2016 der Großteil unseres finanziellen Risikos entfiel, sind inzwischen weitgehend oder vollständig abgeschlossen.
  • Wir trennen uns von Randgeschäften. So haben wir zum Beispiel den Verkauf eines wesentlichen Teils unseres Privat- und Firmenkundengeschäfts in Polen auf den Weg gebracht.
  • Wir haben unsere Kontrollen durch zusätzliches Personal in der Abteilung gegen Finanzkriminalität (AFC) und im Bereich Compliance weiter gestärkt. Nun geht es darum, die Prozesse Schritt für Schritt zu automatisieren.
  • Wir modernisieren unsere IT und digitalisieren unser Geschäft weiter. Privatkunden können ein Onlinekonto heute in wenigen Minuten eröffnen – statt wie bisher in sieben Tagen. Unsere mobilen Angebote sind in Deutschland führend im Markt. Und wir haben Anlageroboter in der Vermögensverwaltung (WISE) sowie in der Privat- und Firmenkundenbank (ROBIN) eingeführt. WISE und ROBIN nutzen Algorithmen, um unseren Kunden das individuell passende Portfolio zusammenzustellen. Auch in anderen Bereichen nutzen wir Robotik und künstliche Intelligenz, um bisher manuelle Abläufe zu automatisieren – dadurch werden wir weniger fehleranfällig und senken die Kosten.

Der Umbau ist noch nicht abgeschlossen. Praktisch überall in der Bank gibt es noch viel zu tun. Das liegt nicht nur, aber auch daran, dass die regulatorischen Anforderungen an die Bankenbranche weiter steigen. In der Phase, die vor uns liegt, muss der Fokus ganz klar auf den Erträgen und unserer Profitabilität liegen – ohne bei unserem Risikomanagement und den Kontrollen Abstriche zu machen. Wir müssen die Erträge nachhaltig steigern. Dafür müssen wir weiter investieren, bestehende Kundenbeziehungen besser pflegen und neue Kunden für uns gewinnen.

Die Ausgangsposition ist gut, in allen unseren Geschäftsbereichen. Auch das zeigen einige Beispiele aus dem abgelaufenen Jahr:

  • Besonders erfolgreich waren wir zuletzt im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft mit Konzernen. Bei angekündigten Fusionen und Übernahmen haben wir uns im Jahr 2017 laut Dealogic vom zehnten auf den sechsten Platz nach vorne gearbeitet.
  • In unserem Heimatmarkt Deutschland sind wir seit mehr als 15 Jahren die führende Investmentbank und steigerten unseren Marktanteil 2017 auf 11,1 % (Quelle: Dealogic).
  • Unsere Transaktionsbank hat zahlreiche große Mandate gewonnen, vor allem in Europa und Asien, im Automobilsektor und bei großen Mischkonzernen.
  • In der Privat- und Firmenkundenbank konnten wir die operativen Erträge trotz der Niedrigzinsen stabil halten. Das lag unter anderem an einer stärkeren Kreditvergabe an Privatkunden und mehr Einnahmen aus dem Beratungsgeschäft. Wir haben vergangenes Jahr etwa 2500 Firmenkunden dazugewonnen, auch weil wir unser Angebot für Mittelständler ausgebaut haben, zum Beispiel beim Zins- und Währungsmanagement.
  • Der Deutschen Asset Management haben unsere Kunden im vergangenen Jahr netto 16 Milliarden Euro an neuen Geldern anvertraut. In unserem Heimatmarkt bleiben wir mit einem Marktanteil von rund 27 Prozent im Neugeschäft klar führend.

Damit haben wir eine starke Basis, um mit unseren Kunden zu wachsen. Auch das Marktumfeld für unser Geschäft hat sich zum Jahresauftakt verbessert. Zwar gehen wir auch im Jahr 2018 von anhaltend niedrigen Zinsen in Europa aus. Es wird jedoch damit gerechnet, dass sich die Zinsen im Euroraum ab 2019 normalisieren, während in den USA weitere Zinserhöhungen erwartet werden. All das deutet darauf hin, dass die Zeit der ungewöhnlichen Ruhe an den Kapitalmärkten zu Ende gehen könnte. Wenn die Kursschwankungen wieder größer werden, handeln die Kunden wieder mehr – und davon profitieren wir.

Wichtig bleibt gleichzeitig das Thema Kosten. 2017 haben wir unsere bereinigten Ausgaben um zwei Prozent gesenkt. Damit haben wir innerhalb von zwei Jahren unsere bereinigten Kosten um 2,6 Milliarden Euro verringert. Das haben uns viele 2015 nicht zugetraut.

Doch wir müssen unsere Kostenkultur noch weiter verbessern, wie das vierte Quartal des vergangenen Jahres gezeigt hat. Den positiven Trend aus den ersten drei Quartalen konnten wir hier nicht fortsetzen – allerdings vor allem aufgrund einer sehr bewussten Entscheidung: Nachdem wir den meisten unserer Mitarbeiter für das Jahr 2016 keine individuelle variable Vergütung gezahlt hatten, sind wir 2017 zu unserem regulären Vergütungssystem zurückgekehrt.

Diese Entscheidung war angesichts des Nettoverlustes 2017 durchaus umstritten. Wir im Vorstand stehen jedoch in der Verantwortung, das zu tun, was im besten Interesse unserer Bank und damit auch in Ihrem Interesse ist, liebe Aktionäre. Wenn wir unserem Anspruch gerecht werden wollen, die führende europäische Bank mit weltweitem Netzwerk zu sein, dann müssen wir in unsere Mitarbeiter investieren, um unseren Kunden weiter die bestmöglichen Lösungen zu bieten. Unsere Maßnahme 2016, den meisten unserer Führungskräfte keine individuelle variable Vergütung zu zahlen, konnten wir im Interesse der Bank so nicht wiederholen.

Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass ein großer Teil der variablen Vergütung über einen Zeitraum von drei bis sechs Jahren ausgezahlt wird und es rechtlich sogar möglich ist, dieses Geld zurückzufordern. Dadurch sind langfristige Anreize sichergestellt, so dass wir die Mitarbeiter im Konzern halten können.

Gleichzeitig hat der Vorstand einstimmig beschlossen, auf eine variable Vergütung zu verzichten, um ein Zeichen zu setzen und die eigene Bezahlung im Einklang mit dem Jahresergebnis der Bank zu halten.

Wichtig ist dem Vorstand, eine angemessene Balance der Interessen von Mitarbeitern und Aktionären sicherzustellen. Wir möchten daher unser Ziel bekräftigen, für das Jahr 2018 wieder einen Nettogewinn und eine wettbewerbsfähige Ausschüttung zu erreichen.

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre, wir haben im Herbst 2015 gesagt, dass der notwendige Umbau unserer Bank nicht zwei oder drei Jahre dauern wird, sondern länger. Wir haben inzwischen die Grundlage dafür geschaffen, das Potenzial unserer Bank wieder auszuschöpfen. In uns steckt jede Menge Kraft, die sich nun entfalten kann. Deshalb blicke ich optimistisch nach vorne und freue mich auf den weiteren Weg.

Mit besten Grüßen

Ihr

John Cryan
Vorsitzender des Vorstands
Deutsche Bank AG

Frankfurt am Main, März 2018