Deutsche Bank

Geschäftsbericht 2017

Die Bankenbranche

Das Jahr 2018 dürfte für die Bankenbranche weltweit die Fortsetzung des synchronen Wirtschaftsaufschwungs und damit eines insgesamt günstigen Umfelds in sämtlichen Geschäftsbereichen mit sich bringen. Noch wichtiger ist, dass sich das Aktivitätsniveau an den Kapitalmärkten in jüngster Zeit verbessert hat und wichtige Kennzahlen wie die Volatilität von historisch niedrigen Niveaus aus angestiegen sind und sich voraussichtlich 2018 weiter normalisieren werden. Gleichzeitig ist der Zyklus der massiven regulatorischen Verschärfung im Nachgang der Finanzkrise mit dem Abschluss von Basel III und dem Inkrafttreten von MiFID II und PSD II in Europa weitgehend zu einem Ende gekommen und die Banken sollten 2018 von der neu gewonnenen Klarheit profitieren können. Die Stabilität des rechtlichen Rahmens wird ihnen größere Planbarkeit sowohl mit Blick auf den Kapitalbedarf als auch die Attraktivität verschiedener Geschäftszweige erlauben. Die größte Unsicherheit für die Branche wird sich voraussichtlich durch das Ende der Wertpapier-Ankaufprogramme wichtiger Notenbanken und die weitere Normalisierung des Zinsniveaus in den USA ergeben, die bedeutende Auswirkungen auf die Kapitalmärkte, aber auch den Kreditmarkt haben dürften. Zusätzlich wird der Einfluss von Technologie im Bankensektor in 2018 weiter anhalten und sowohl Herausforderungen als auch Möglichkeiten mit sich bringen.

In der Eurozone sind die Aussichten für höhere Kapitalmarkteinnahmen und Kreditwachstum günstig, was weitgehend auf die anhaltend guten wirtschaftlichen Bedingungen und die höheren Volatilitäten an den Kapitalmärkten zurückzuführen sein dürfte. Mit weiterhin sehr lockeren Kreditstandards und extrem niedrigen Zinsen bietet das Kreditangebot sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen beste Voraussetzungen, ihre Fremdkapitalaufnahme zu steigern. Bei Haushalten dürfte sich aufgrund der günstigen Arbeitsmarktperspektiven die Belebung der Kreditvergabe der letzten Jahre fortsetzen, bei Unternehmen können Banken mit einem Ende der lang anhaltenden Stagnation rechnen. Das größte Risiko besteht in einem unkontrollierten Ausscheiden Großbritanniens aus der EU bzw. einem Brexit ohne Vereinbarung über einen fortgesetzten weitreichenden Zugang Großbritanniens zum europäischen Binnenmarkt. Dennoch ist aufgrund des günstigen makroökonomischen Umfelds ein Anstieg der Erträge und Gewinne nach Steuern der Banken in diesem Jahr wahrscheinlich.

Für die deutschen Banken zeichnet sich eine anhaltend hohe Dynamik im Kredit- und Einlagengeschäft sowohl mit Privatpersonen als auch mit Unternehmen ab, ebenso wie eine unverändert sehr niedrige Risikovorsorge und ein spürbarer Druck auf die Zinsmarge, dessen Auswirkungen auf die Erträge durch das Volumenwachstum teilweise ausgeglichen werden.

In den USA ist von einem relativ unveränderten, günstigen Geschäftsumfeld für die Banken auszugehen. Zum einen ist mit einer gewissen weiteren Deregulierung zu rechnen, vor allem jedoch sollte die robuste Konjunktur die Grundlage für eine solide Entwicklung im klassischen Bankgeschäft bieten und auch die Vermögensverwaltung und das Investmentbanking unterstützen. Außerdem dürfte die Zinsmarge von weiteren Leitzinsanhebungen der Fed profitieren und damit ihren Aufwärtstrend fortsetzen, aber auch die Risikovorsorge auf sehr niedrigem Niveau moderat zunehmen.

In Japan könnten sich 2018 mit der zu erwartenden Wachstumsverlangsamung und der Rückführung der außerordentlichen geldpolitischen Maßnahmen die Kreditvergabe und das Einlagengeschäft abkühlen. In China dürften die Risiken einer Schuldenblase im Privatsektor angesichts eines anhaltend hohen Kreditwachstums noch weiter ansteigen, allerdings sollte auch die Fähigkeit und Bereitschaft der Regierung, größere Verwerfungen abzufedern, ungebrochen hoch bleiben.

Ende 2017 hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht die neuen (“Basel III framework agreement”) Standardansätze zur Berechnung von risikogewichteten Aktiva (Risk Weighted Assets, RWA) finalisiert. Damit ist eine der wesentlichen Überarbeitungen regulatorischer Vorgaben nach der Finanzkrise abgeschlossen. Im Jahr 2018 wird der Fokus in der EU auf dem Beginn eines mehrjährigen Gesetzgebungsprozesses zur Implementierung des Rahmenwerks liegen. Da sich die Aufsichtsbehörden nun weniger auf die Festlegung neuer Vorschriften und mehr auf das Funktionieren des regulatorischen Rahmenwerks konzentrieren, bleibt das Risiko einer uneinheitlichen Umsetzung und unterschiedlicher Auswirkungen in den verschiedenen Regionen.

In Europa sollten sich die Folgen des Brexit im Jahresverlauf 2018 deutlicher abzeichnen. Regierungsvertreter auf beiden Seiten des Ärmelkanals streben bis Ende des ersten Quartals 2018 eine Vereinbarung für eine Übergangsfrist an, und bis Oktober soll der Entwurf eines Austrittsabkommens zur Ratifizierung vorliegen. Die durch die Beseitigung von Unsicherheiten geschaffene größere Klarheit über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der anderen EU-Mitglieder sollte sich positiv auf die in der Region agierenden Banken auswirken. Gleichzeitig sollte die amtierende EU-Kommission Fortschritte bei der politischen Einigung zu wichtigen ausstehenden Vorschriften erzielen. Dazu gehören eine Überarbeitung der Eigenmittelverordnung (CRR) sowie eine Überprüfung der europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) und der EMIR-Verordnung, die europäischen Banken mittelfristig mehr Transparenz zu den aufsichtsrechtlichen Anforderungen bringen sollten.