Deutsche Bank

Geschäftsbericht 2017

Liquiditätsstresstests und Szenarioanalysen

Globale Liquiditäts-Stresstests und Szenarioanalysen sind eines unserer Hauptwerkzeuge, um Liquiditätsrisiken zu messen und die globale kurzfristige Liquiditätsposition innerhalb des Liquiditätsrahmenwerkes zu bewerten. Diese vervollständigen den operationellen intraday Liquiditätsmanagementprozess und die langfristige Liquiditätsstrategie, dargestellt durch die Funding Matrix.

Das globale Liquiditätstresstesting wird von Treasury, in Übereinstimmung mit der vom Vorstand genehmigten Risikotoleranz, gesteuert. Treasury ist verantwortlich für die generelle Methode, inklusive der Definition der Stressszenarien, die Wahl der Liquiditätsrisikotreiber und die Festlegung der angemessenen Annahmen (Parametern) um Eingabedaten in Modelergebnisse zu überführen. Liquidity Risk Management ist für die unabhängige Validierung der Liquiditätsrisikomodelle verantwortlich. Liquidity und Treasury Reporting & Analysis (LTRA) ist sowohl verantwortlich um diese Methoden in Übereinstimmung mit Treasury und IT zu implementieren, als auch für die Stresstestberechnung.

Wir nutzen Stresstests und Szenarioanalysen, um den Einfluss von unerwarteten und schwerwiegenden Stressevents auf unsere Liquiditätsposition zu untersuchen. Die Szenarien, die wir benutzen, basieren auf historischen Ereignissen, wie der Finanzmarktkrise 2008.

Die Deutsche Bank hat fünf Szenarien gewählt, um die gestresste Netto-Liquiditätsposition ( stressed Net Liquidity Position “sNLP”) zu berechnen. Diese Szenarien beinhalten die historische Erfahrung der Deutsche Bank während Perioden von institutsspezifischem und/oder marktweitem Stress und werden als plausibel und genügend hart betrachtet um einen materiellen Einfluss auf die Liquiditätsposition des Konzerns zu haben. Eine globale Finanzmarktkrise zum Beispiel ist unter einem bestimmten Stressszenario abgedeckt (systemisches Marktrisiko), das die potentiellen Konsequenzen, die beobachtet wurden, zum Beispiel während der letzten Finanzmarktkrise im Jahr 2008, modelliert. Zusätzlich haben wir regionale Marktstressszenarien eingeführt. Unter jedem dieser Szenarien nehmen wir an, dass ein großer Teil unserer Kredite an nicht-Wholesale Kunden verlängert wird, um unsere Geschäftsbereiche zu unterstützen und dass Wholesale-Refinanzierungen, in einer akuten Stressphase, von den risikosensitivsten Gegenparteien (inklusive Banken und Geldmarktfonds) komplett vertraglich auslaufen oder sogar zurückgekauft werden.

Zusätzlich haben wir potenzielle Refinanzierungs-Anforderungen von abhängigen Liquiditätsrisiken, die passieren können, inklusive Kreditfazilitäten, erhöhter Sicherheitenanforderungen unter Derivateverträgen und Abflüssen von Einlagen mit einem vertraglichen Rating-Trigger, hinzugefügt.

Dann modellieren wir Tätigkeiten, die wir ergreifen würden, um die Abflüsse auszugleichen. Ausgleiche beinhalten unsere Liquiditätsreserven und Vermögenswertliquidität aus anderen nicht belasteten Vermögenswerten.

Stresstests werden auf globaler Ebene und auf individueller Ebene für bestimmte juristische Einheiten durchgeführt. Neben dem globalen Stress Test führen wir Stress Tests für unsere materiellen Währungen (EUR, USD und GBP) durch. Wir überprüfen regelmäßig unsere Annahmen für Stresstests und haben im Laufe des Jahres 2017 die Methodik und den Schweregrad bestimmter Parameter weiter verbessert.

Täglich führen wir den Liquiditätsstresstest über einen Zeitraum von acht Wochen durch, den wir als die kritischste Zeitspanne in einer Liquiditätskrise betrachten, und wenden die relevanten Stresstestannahmen auf Risikofaktoren aus bilanziellen und außerbilanziellen Produkten an. Über den Acht-Wochen-Zeitraum hinaus analysieren wir den Einfluss einer längeren Stressperiode auf zwölf Monate. Dieser Stresstest wird täglich ausgeführt.

In der zweiten Jahreshälfte 2016 verzeichnete die Bank einige Abflüsse von Einlagen infolge negativer Marktwahrnehmungen in Bezug auf die Deutsche Bank im Zusammenhang mit zivilrechtlichen Ansprüchen, die dann mit dem US-Justizministerium im Zusammenhang mit der Emission und dem Underwriting von Residential Mortgage Backed Securities verhandelt wurden. Als Teil der Lehren aus diesem Zeitraum wurde die Risikotoleranz von 5 Mrd. € im Dezember 2016 auf 10 Mrd. € im Januar 2017 erhöht. Die Risikotoleranz, während des 8-wöchigen Stresshorizonts unter allen Szenarien für unseren täglichen globalen Liquiditätsstresstest einen Überschuss von mindestens 10 Mrd. € zu halten, blieb für den Rest des Jahres 2017 auf diesem Level.

Die Tabellen im Abschnitt "Risikopositionswerte des Liquiditätsrisikos: Stresstests und Szenarioanalysen" zeigen die Ergebnisse unseres internen Liquiditätsstresstests unter den verschiedenen Szenarien.