Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)

2007 war ein außergewöhnlich schwieriges Jahr – für die Deutsche Bank, den Bankensektor insgesamt, die internationalen Finanzmärkte und die Weltwirtschaft. In den ersten sechs Monaten waren die Rahmenbedingungen für den Finanzbereich noch sehr vorteilhaft: Es herrschte allgemein eine freundliche Stimmung an den Kapitalmärkten und die globale Wachstumsdynamik war hoch. Im Verlauf der zweiten Jahreshälfte jedoch wurden die tief gehenden Auswirkungen der Krise am US-amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkt immer deutlicher. Die Zurückhaltung der Anleger nahm zu und die Bedingungen für die Bereitstellung von Krediten und Liquidität im globalen Finanzsystem verschlechterten sich rapide. Dies wiederum beeinträchtigte durch eine höhere Volatilität und markante Kurskorrekturen auch die Aktienmärkte. Die Subprime-Krise und ihre weitreichenden Folgen machten sich besonders im Bankensektor bemerkbar. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa waren Banken, die sich direkt in Subprime-Krediten und verwandten Produkten engagiert hatten, in ihrer Ertragsrechnung stark betroffen. Die Krise hat sich 2008 fortgesetzt und belastet weiterhin sowohl die Finanzmärkte als auch die Realwirtschaft.

In diesem turbulenten Umfeld hat die Deutsche Bank gleichwohl ein höchst solides Ergebnis erzielt. Wir haben die günstigen Bedingungen in der ersten Jahreshälfte genutzt und in dem anschließenden schwierigeren zweiten Halbjahr unsere Stärke und Widerstandsfähigkeit bewiesen. Wir haben weniger unter der Subprime-Krise gelitten als einige andere große Banken, da wir uns in den am stärksten betroffenen Bereichen frühzeitig abgesichert hatten. Dabei konnten wir von unserem wirkungsvollen Risikomanagement und der breit diversifizierten Geschäftsbasis profitieren. Im Geschäftsjahr 2007 stiegen die Erträge um 8 % auf 30,7 Mrd €, während sich das Ergebnis vor Steuern um 5 % auf 8,7 Mrd € und der Gewinn nach Steuern um 7 % auf 6,5 Mrd € erhöhte. Daraus ergab sich eine
(Glossar)Eigenkapitalrendite vor Steuern (basierend auf dem durchschnittlichen Active Equity) gemäß (Glossar)Zielgrößendefinition von 26 %, die somit über unserer Zielgröße von 25 % im mehrjährigen Durchschnitt liegt. Das (Glossar)Ergebnis je Aktie (verwässert, gemäß Zielgrößendefinition) betrug 10,79 €. Wir haben zudem unsere Kapitalbasis gestärkt, indem wir das Kernkapital gemäß (Glossar)BIZ um fast 5 Mrd € auf über 28 Mrd € steigerten.

Dr. Josef Ackermann (Foto)
Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

Das gute Ergebnis erlaubt es uns, unsere aktionärsfreundliche Dividendenpolitik fortzusetzen. Der Hauptversammlung im Mai 2008 schlagen wir vor, die Dividende je Aktie von 4,00 € auf 4,50 € zu erhöhen. Falls die Aktionäre dieser Empfehlung folgen, hat sich unsere Dividende seit 2003 verdreifacht. Der Kurs unserer Aktie ging im Jahresverlauf zwar um 12 % zurück. Das ist zweifellos eine Enttäuschung, aber doch besser als der Euro STOXX-Bankenindex, der um 17 % sank, und deutlich weniger als die Kurseinbußen einiger unserer internationalen Mitbewerber.

Der Konzernbereich Corporate and Investment Bank erzielte 2007 ein Gesamtergebnis vor Steuern von 5,1 Mrd €. Das ist insbesondere angesichts der schwierigen Bedingungen in der zweiten Jahreshälfte eine sehr ordentliche Leistung. In unserem Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities belief sich das Ergebnis vor Steuern auf 4,2 Mrd €. Im Verkauf und Handel von Wertpapieren (Sales & Trading) konnten wir in einigen volumenstarken Produktbereichen wie etwa im Devisen- und Geldhandel sehr hohe Wachstumsraten verbuchen und auch unser kundenorientiertes Aktiengeschäft legte kräftig zu. Teile unseres kreditbezogenen Geschäfts, insbesondere soweit sie mit dem Subprime-Markt in Verbindung standen, haben jedoch unter den Marktturbulenzen gelitten. In (Glossar)Corporate Finance konnten Rekorderträge im Beratungsgeschäft erwirtschaftet werden, während sich im Emissionsgeschäft von Schuldtiteln und bei Übernahmetransaktionen sowie von hochverzinslichen Anleihen die Anleger zurückhielten. Dadurch wurden Abschreibungen auf Kredite und Kreditzusagen im Geschäft mit fremdfinanzierten Unternehmenskäufen notwendig. Unser Unternehmensbereich Global Transaction Banking (GTB) konnte dank Wachstum in allen wichtigen Produktbereichen sowie strikter Kostenkontrolle ein herausragendes Ergebnis von 945 Mio € (+34 %) vorlegen.

Auch unser Konzernbereich Private Clients and Asset Management (PCAM) hat sich mit einem um 6 % auf 2,1 Mrd € gestiegenen Gesamtergebnis vor Steuern gut behauptet. Zum Ende des Berichtsjahres betrug das betreute Kundenvermögen 952 Mrd € nach 908 Mrd € ein Jahr zuvor. In unserem Unternehmensbereich Asset and Wealth Management, der die beiden Geschäftsbereiche Asset Management und Private Wealth Management umfasst, kamen wir 2007 auf ein Ergebnis vor Steuern von 913 Mio € (+2 %) sowie Nettovermögenszuflüsse von 40 Mrd €. Der Unternehmens bereich Private & Business Clients konnte sein Ergebnis vor Steuern um 10 % auf 1,1 Mrd € erhöhen. Darin sind die Kosten der Integration von Berliner Bank und norisbank im deutschen Heimatmarkt sowie Investitionen in unser schnell wachsendes Geschäft in China, Indien und Polen verkraftet.

Unsere robusten Ergebnisse in PCAM und GTB trotz schwieriger Marktbedingungen unterstreichen die Bedeutung, welche diesen „stabilen“ Geschäftsfeldern und ihrem Beitrag zur Ertragsdiversifikation der Deutschen Bank zukommt.

2007 war auch ein Jahr, in dem die Deutsche Bank ihre internationale Präsenz ausgebaut hat. Die Anzahl unserer Mitarbeiter stieg im Jahresverlauf weltweit um über 9 400, davon allein in Asien um mehr als 4 300. Darin zeigt sich unsere feste Absicht, die Chancen in dieser dynamischen und stark wachsenden Region zu nutzen. In Nord- und Südamerika wurden über 1 700 neue Mitarbeiter eingestellt. In Deutschland nahm die Mitarbeiterzahl um knapp 1 400, im restlichen Europa und im Nahen Osten um 1 000 zu. Mit einer Präsenz in 76 Ländern und Mitarbeitern aus 150 Nationen sind unsere globale Reichweite und Vielfalt ein unschätzbarer Vorteil. Unser Wachstum im Jahr 2007 in allen Regionen der Welt bestätigt uns darin, weiter in diese besondere Stärke zu investieren.

Die kurzfristigen Aussichten sind nach wie vor höchst unsicher. Das Umfeld an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft bleibt schwierig. Die Kredite für Privat- und Geschäftskunden werden auf absehbare Zeit knapper und teurer als vor Ausbruch der Krise sein. Die Immobilienmärkte in den USA und einigen europäischen Ländern sind angeschlagen, steigende Kosten für Energie und andere Rohstoffe werden den Inflationsdruck erhöhen. Die Kredit- und Liquiditätslage an den internationalen Finanzmärkten bleibt angespannt. Sowohl private als auch institutionelle Anleger halten sich weiter zurück. Vor diesem Hintergrund werden die Herausforderungen im Bankensektor vorerst weiter dominieren.

Die Deutsche Bank hat ein leistungsfähiges Geschäftsmodell und eine klare Strategie. Der strengen Disziplin bei Risiken, Kapital und Kosten kommt unverändert Priorität zu. Wir haben eine starke Position in unseren Kerngeschäftsfeldern und dürften von einer „Flucht in Qualität“ profitieren. Wir werden unsere „stabilen“ Geschäftsfelder weiterentwickeln und im (Glossar)Investment Banking auf unserer führenden Marktposition aufbauen. Außerdem werden wir fortfahren, Kosten- und Ertragsvorteile durch eine engere Zusammenarbeit der Geschäftsbereiche zu erschließen.

Zudem sind die längerfristigen Trends intakt, die unser Umfeld prägen. Und dies kommt uns zugute. Das gilt für das hohe Globalisierungstempo, welches angesichts der kaum verringerten Wachstumsdynamik in asiatischen Schwellenländern wie China und Indien sowie in den energieproduzierenden Ländern anhält. Gleichzeitig werden die internationalen Kapitalmärkte, auf denen Anleger und Emittenten aus aller Welt zusammentreffen, immer wichtiger, weil knappes Kapital die traditionelle Finanzierung durch Bankkredite begrenzt. Außerdem nimmt das Anlagevermögen zu, da die private Nachfrage nach Altersvorsorgeprodukten steigt und in den schnell wachsenden Schwellenländern neuer Wohlstand entsteht. Als eine der führenden globalen Investmentbanken und einer der international großen Anbieter im Anlagemanagement sind wir gut positioniert, um von diesen Trends zu profitieren.

Die Deutsche Bank hat ihre Stärke in guten wie in schwierigen Märkten unter Beweis gestellt.
Unsere Strategie ist richtig und wir halten Kurs. Unsere höchste Priorität ist es, Mehrwert für unsere Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter und die Gesellschaft zu schaffen. Zu dieser Verpflichtung stehen wir – auch in unsicheren Zeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im März 2008